Legionellen im Trinkwasser – Eine Bedrohung oder nur Überwachungspflicht?

Die Legionellenuntersuchungspflicht in Trinkwasser-Installationen führt zu deutlich verbesserter Verbrauchersicherheit, aber auch zu kritisiertem Mehraufwand. Wie stellt sich die Befundlage in der Praxis dar und gibt es Belastungsschwerpunkte?

„Die Legionellen-Überwachungspflicht ist ein bürokratisches Monstrum“ oder „Berlin ist nicht exekutivtauglich“, so titelten bei der Einführung der Änderung in der Trinkwasserverordnung die Medien bzw. polterten Politiker in die Kameras. Diese Schlagzeilen zeigen, wie emotional und polarisierend die Diskussion um die Untersuchungspflicht für Legionellen im Trinkwasser geführt wird. Das hat sich bis heute kaum geändert. Mittlerweile ist die Neufassung der Trinkwasserverordnung [1] seit fast drei Jahren in Kraft, und es konnten zahlreiche Erfahrungen gesammelt werden. Die Töne sind leiser und sachlicher geworden und den zahlreichen Meldungen über Legionellenbefunde in Mietobjekten oder öffentlichen Einrichtungen entnimmt man nun eher den Ruf nach der notwendigen „unverzüglichen Verbesserung der Situation für die betroffenen Verbraucher“, wenn z. B. wie im Fall von 800 Wohnungen im Münchner Olympiadorf das Gesundheitsamt ein Duschverbot verhängt.
Die Pflicht zur Legionellenuntersuchung des auch zum Duschen genutzten Warmwassers in Gebäuden ist nicht neu. Schon mit der Anfang 2003 in Kraft getretenen Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2001) war die Legionellenuntersuchung des Warmwassers in öffentlichen Gebäuden zur Pflicht geworden. Die Verordnung fordert heute, dass öffentliche Trinkwasser-Installationen im jährlichen Abstand untersucht werden. Gewerblich genutzte Trinkwasser-Installationen (in der Regel Mietwohnungen) müssen dagegen nur alle 3 Jahre untersucht werden. Diese unterschiedlichen Untersuchungszyklen sind nicht fachlichen oder hygienischen Gründen geschuldet, sondern lediglich intensiver Lobbyarbeit der Wohnungswirtschaft, die die hohen Untersuchungskosten beklagt.  

In zahlreichen Monitoring-Programmen der vergangenen Jahre ist viel erreicht worden. Natürlich kann nicht durch die Analytik selbst eine Besserung der Situation erzielt werden, wohl aber durch die begleitende Beratung sowie die Einsicht, dass solide Kenntnisse des Betreibers über den Betrieb einer Warmwasseranlage dringend vonnöten (und gesetzlich vorgeschrieben) sind.

Erst mit der neuen TrinkwV [1] ist 2011 mit einem so genannten technische Maßnahmenwert von 100 KBE (Koloniebildende Einheiten) pro 100 ml Probe für Legionellen (Legionella spec.) eine verbindliche und kontrollierbare Regelung gültig geworden. Dieser Wert entspricht der im DVGW-Arbeitsblatt W 551 genannten Vorgabe. Die DVGW-Arbeitsblätter bilden das Technische Regelwerk, dessen Einhaltung die TrinkwV an diversen Stellen fordert. Wird der Maßnahmenwert eingehalten, darf davon ausgegangen werden, dass die Trinkwasser-Installation den allgemein anerkannten Regeln der Technik entspricht. Wird er jedoch überschritten, ist das ein verlässlicher Hinweis auf vermeidbare technische Mängel in der Trinkwasser-Installation und/oder ihrer Betriebsweise. Damit ist der Maßnahmenwert kein Grenzwert, sondern ein Auslöser für Maßnahmen zur technischen Verbesserung der Anlagen. Nichtsdestotrotz zeigt die Erfahrung, dass er im Sinne eines Grenzwerts verstanden und umgesetzt wird.

Im Rahmen der langfristigen analytischen Untersuchungsprogramme der letzten Jahre konnte für den Kundenkreis des Autors gezeigt werden, dass bei etwa 11 Prozent der Proben aus öffentlichen Trinkwasser-Installationen und bei rund 7 % der gewerblich genutzten Gebäude der technische Maßnahmenwert überschritten wird (Abbildung 1). Wodurch die etwas bessere Situation in den gewerblich genutzten Gebäuden bedingt ist, kann derzeit nicht signifikant begründet werden. 

Abbildung 1: Anteile an Legionellen-Proben, die den Maßnahmenwert der Trinkwasserverordnung (100 KBE/100 ml) überschreiten; Vergleich öffentlicher und gewerblich genutzter Trinkwasser-Installationen im Jahr 2013 (Ngesamt = 2347)

Eine Umfrage des Frankfurter Amts für Gesundheit bei 23 Großstadtgesundheitsämtern (bis 1,4 Mio. Einwohnern) und zwei Landkreisgesundheitsämtern hat gezeigt, dass die aktuelle Datenlage kein einheitliches Bild bietet. Es ergab sich eine ungewöhnlich große Spanne von 4 bis 50 Prozent Maßnahmenwert-Überschreitungen in den einzelnen Zuständigkeitsbereichen mit einem Median von 20 Prozent.
In Kombination mit Schätzungen, dass durch Legionellen bedingte Erkrankungen zu Todesfällen in Höhe der Zahl Verkehrstoter in Deutschland führen könnten, wird deutlich, dass man sich der Materie nüchtern und mit Tiefgang widmen muss. Denn in der Praxis ergeben sich noch immer Fragen und Umsetzungsprobleme, die besonders durch Fortbildungen und gezielte Informationen für die Haustechniker und Technischen Verantwortlichen gelöst werden können.
 
Was passiert nun, wenn in einer Trinkwasser-Installation der Maßnahmenwert im Warmwasser überschritten wird? Der Unternehmer oder sonstige Inhaber der Anlage ist dann verpflichtet, eine so genannte Gefährdungsanalyse durchzuführen oder durchführen zu lassen. In der Regel wird hier jedoch eine Vergabe der Analyse an eine kompetente Einrichtung von Nöten sein, weil die Ursachen für die Probleme in der Regel in komplexen betriebs- oder bautechnischen Mängeln liegen. Verbindliche Kriterien für die Auswahl eines Partners für die Gefährdungsanalyse sind in einer UBA-Empfehlung beschrieben [2]. Leider sind diese Kriterien offen und wenig verbindlich formuliert, so dass der Nutzen der Empfehlung begrenzt ist.
Ergänzend muss der Betreiber der Warmwasseranlage das zuständige Gesundheitsamt informieren.  
Im Vordergrund steht jedoch, dass je nach Befundlage bei sehr hohen Legionellenkontaminationen (> 10.000 KBE pro 100 ml Probe) die betroffenen Verbraucher informiert und dass entsprechende Schutzmaßnahmen ergriffen werden (§ 16, Abs. 7 TrinkwV). Dazu zählen in der Regel Duschverbote als relevanteste Verwendungsbeschränkung. Das Trinken des Wassers ist dagegen kein Problem.
 
Die bisherigen Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass unvollständige Kenntnisse der allgemein anerkannten Regeln der Technik bei den Verantwortlichen das mit Abstand größte Problem darstellen. Zum einen ist die Tatsache, dass auch Vermieter oder Wohnungseigentümer als Wasserversorger im Sinne der Trinkwasserverordnung eingestuft werden, mitunter unbekannt. Zum anderen sind die technischen Regeln nicht ausreichend bekannt. Dies trifft leider auch bei Installateuren zu, denen der Wohnungseigentümer seine Trinkwasseranlage oft anvertraut. Nur selten ist an der Basis bekannt, dass das DVGW-Arbeitsblatt W 551 eine zentrale Rolle bei den technischen Regeln einnimmt. Dies trifft auf Gesellen, bedauerlicherweise aber auch auf Meister zu. Hier ist dringend weiterer Informationsbedarf zu decken.


Resümee

Legionellen sind eindeutig das relevanteste hygienische Problem im Trinkwasserbereich in Deutschland, da hierdurch tatsächlich zahlreiche Erkrankungen und sogar Todesfälle auftreten. Daher muss gefordert werden, dass auch die Betreiber bzw. Technisch Verantwortlichen von Warmwasseranlagen über ausreichende fachliche Kenntnisse verfügen, diese anwenden bzw. die relevanten Arbeiten entsprechend an Fachbetriebe delegieren und die Überwachungspflichten ernst nehmen. Bei den öffentlichen Wasserversorgungsunternehmen sind diese Prinzipen und Forderungen heute sorgfältig und sicher umgesetzt, was der Verbraucher zu seinem Schutz auch erwarten darf. Diesen Schutz muss er auch von seinem Vermieter erwarten dürfen.

Literatur

[1]    Anonymus: Bekanntmachung der Neufassung der Trinkwasserverordnung vom 02. August 2013, Bundesgesetzblatt, Teil I, ausgegeben zu Bonn am 07.08.2013, (Heft 46): S. 2977-3004.

[2]    www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/419/dokumente/empfehlungen_gefaehrdungsanalyse_trinkwv.pdf