GISBAU – Das Gefahrstoff-Informationssystem für die Bauwirtschaft

Die moderne Bauwirtschaft verwendet im großen Umfang Produkte der Bau-Chemie. Diese Produkte enthalten oft gefährliche Stoffe, auf die kaum verzichtet werden kann. Bei der Verarbeitung von Bau-Chemikalien können also zum Teil erhebliche Gesundheitsgefahren für die Verwender bestehen. Um den in der Regel eher „Chemie-fernen“ Bau-Betrieben eine Hilfestellung beim Gefahrstoff-Management zu geben gibt es seit mehr als 25 Jahren das Gefahrstoff-Informationssystem der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft GISBAU.

Abb. 1: Etikett mit Giscode

Bau-Chemie, Sicherheitsdatenblätter und GISCODES

Erste Informationsquelle für Bau-Chemikalien sind die Sicherheitsdatenblätter (SDB) der Hersteller, wie der Beitrag der Aktuellen Wochenschau aus der letzten Woche zeigte. GISBAU erfasst bereits seit Anfang der 90er Jahre solche SDB.

Basierend auf den SDB und weiteren Informationen zu den Inhaltsstoffen, den Ergebnissen von Luftmessungen am Arbeitsplatz, den verfügbaren Schutzmaßnahmen (z.B. Chemikalienschutzhandschuhe) usw. erstellt die GISBAU-Gruppe mit mehreren ChemikerInnen sog. Produktgruppen-Informationen. Eine Produktgruppe (z.B. „Epoxidharzprodukte, lösemittelfrei, sensibilisierend“) umfasst Produkte mit vergleichbaren Inhaltsstoffen, Gefährdungen und Schutzmaßnahmen. So kann mit einer Produktgruppen-Information über viele Handelsprodukte (z.B. „Beschichtung B1“ der Fa. XYZ) informiert werden, wobei die Zuordnung der Produkte zu der Gruppe über einen GISCODE erfolgt (im Beispiel RE1), den viele Hersteller in ihren Unterlagen oder sogar auf den Gebinden (s. Abbildung 1) angeben. Solche GISCODES wurden für über 15 verschiedene Baubereiche etabliert: Von Abbeizern über Beschichtungsstoffe und Reinigungsmittel bis zu zementären Produkten; insgesamt weit über 300 GISCODES.

Gefahrstoffmanagement in handwerklich orientierten Betrieben

Mit WINGISonline gibt es eine einfache und leicht anwendbare Möglichkeit gerade für Kleinbetriebe, für einen sicheren Umgang mit Chemikalien im Betrieb oder auf der Baustelle zu sorgen. Als Internetanwendung ermöglicht WINGISonline den Bau-Betrieben eine zentrale Datenhaltung auf einem Webserver, auf die die Mitarbeiter auch von den Baustellen aus zugreifen können. Dabei ist ein großer Vorteil, dass die GISBAU-Informationen über den Handelsnamen aufgerufen werden können.

Für jede Produktgruppe gibt es eine leicht verständliche an den Bau-Unternehmer gerichtete GISBAU-Information, die ihn bei der Gefährdungsbeurteilung unterstützt, sowie (in 15 Sprachen) Betriebsanweisungsentwürfe für die Verarbeiter der Produkte auf den Baustellen. Diese Informationen sind über WINGISonline für jeden frei zugänglich.

Mit WINGISonline können auch Kleinmengentransporte im Gefahrgutbereich bestimmt, geeignete Handschuhfabrikate ermittelt, eigene Betriebsanweisungen erstellt oder mittels myWINGIS einfach und komfortabel ein Gefahrstoffverzeichnis geführt werden.

Abbildung 2: Module unter www.wingisonline.de

… und sonst?

Als Dienstleister für die mehr als 500000 Betriebe der Bauwirtschaft hat die BG BAU mit GISBAU eine kleine aber tatkräftige Einheit mit vielen ChemikerInnen geschaffen, die sich mit Gefahrstoffthemen – quasi stellvertretend für die vielen Bau-Betriebe, die in der Regel keine eigenen Chemiker einstellen (können) – auseinandersetzt. Dabei spielt die Mitarbeit in nationalen Gefahrstoff-Gremien wie auch bei der Erarbeitung von Technischen Regeln für Gefahrstoffe eine nicht unerhebliche Rolle.

Über den Autor

Dr. rer. nat. Uwe Musanke studierte Chemie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. In der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Wolfgang Jeitschko beschäftigte er sich mit der Synthese und Strukturbestimmung von ternären Carbiden. Seit 1993 arbeitet er für das Gefahrstoff-Informationssystem der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft GISBAU in Frankfurt am Main.