Zum Internationalen Jahr des Lichts

Liebe Leserinnen und Leser,

im Januar 2005 erblickte die Aktuelle Wochenschau der Gesellschaft Deutscher Chemiker erstmals das Licht der Welt, oder besser: erblickten Chemieinteressierte erstmals die leuchtend bunten Bildschirmseiten der Aktuellen Wochenschau. Da liegt es doch nahe, anlässlich des runden Geburtstags auch das Internationale Wissenschaftsjahr 2015 gleich mitzufeiern; denn am 20. Dezember 2013 hat die UNO-Vollversammlung das Jahr 2015 als „Internationales Jahr des Lichts und der lichtbasierten Technologien“ ausgerufen.

Jeder, der sich näher mit Chemie befasst, weiß, wie viel Chemie und Licht miteinander zu tun haben. Die Sonnenenergienutzung möge als zentrales Beispiel gelten; denn in Pflanzen regt das Sonnenlicht den komplexen Vorgang der Photosynthese an, an dem bis heute intensiv geforscht wird, und in die Forschung eingebunden sind jede Menge Chemiker und Chemikerinnen. Sie sind es auch, die sich an der Artifiziellen Photosynthese versuchen, grob gesprochen, der künstlichen Nachahmung des grünen Blatts. Eine einfachere Technik, die es mittlerweile zur vielfachen Anwendung gebracht hat, ist die Solarzelle – allgegenwärtig auf Dächern und Feldern, und ihre Materialien, die in der Lichtkonversion immer effizienter werden, werden (nicht nur, aber doch) in hohem Maße von Chemikerinnen und Chemikern entwickelt. Das gilt für viele weitere Materialien, nicht nur für die, die in der Solarthermie eingesetzt werden, oder für Nanomaterialien  in Sonnenschutzmitteln (die pflegenden Inhalte darin sind auch „Chemie“). Das gilt auch für Leuchtmittel, wo die Light Emitting Diodes (LEDs) und ihre organischen Vertreter (OLEDs) die Beleuchtungstechnik revolutionierten. Lumineszierende Stoffe stellt auch die Natur auf chemischem Wege her, man denke nur an die Glühwürmchen. Und warum kann der Mensch überhaupt so viele Farben sehen, während „nachts alle Katzen grau sind“. Hier ist der u.a. der Biochemiker gefragt

Dass Stoffe Licht absorbieren, nutzte die chemische Analytik schon recht früh zu deren Charakterisierung. Ausgehend von der Spektroskopie mit sichtbarem Licht bauten Wissenschaftler und Techniker ein ganzes Methodenarsenal auf, um mit Strahlung unterschiedlichster Art die uns umgebende stoffliche Welt qualitativ und quantitativ zu entdecken. Der stofflichen Analyse steht die Stoffsynthese gegenüber, und auch diese kann lichtgetrieben vonstatten gehen. Dazu setzt der Chemiker im Labor meist sehr spezielle Lichtquellen ein. Ein riesiger photochemischer Reaktor ist aber auch unsere Erdatmosphäre. Spannend und längst nicht vollständig verstanden sind die Reaktionen, die über unseren Köpfen und noch weit über den Wolken ablaufen – dank der Energie, die unsere Sonne abstrahlt.

Das Internationale Jahr des Lichts wird nicht nur von Chemikern gestaltet. Der Aufgabe, die Natur des Lichts zu ergründen, hatten sich zunächst die Physiker angenommen, und so wurde auch den Physikern die Federführung für dieses Internationale Wissenschaftsjahr übertragen. Wenn Sie sehen wollen, was die deutschen Physiker und ihre Unterstützer im kommenden Jahr so vorhaben, dann besuchen Sie die Seite www.jahr-des-lichts.de. Zur offiziellen internationalen Seite gelangen Sie hier: www.light2015.org. Ich bin sicher, es werden sich im Lauf des Jahres einige Kooperationen unter den wissenschaftlichen Disziplinen ergeben, die derzeit noch im frühen Stadium der Planung sind.

Die internationalen und deutschen Wissenschaftsjahre sind eigentlich ein hervorragendes Format, um Wissenschaft zu präsentieren oder mit der Öffentlichkeit ins Gespräch zu kommen. Das Problem jedoch ist: Diese Aktionsjahre werden kaum wahrgenommen und stehen von daher immer in der Kritik. Noch verheerender wirkt sich die Gleichzeitigkeit mehrerer Wissenschaftsjahre aus. Betreut doch die UNESCO noch ein zweites Wissenschaftsjahr 2015: Das Internationale Jahr des Bodens. Für Umwelt- und Geochemiker auch keineswegs uninteressant. Und schließlich gibt es auch noch das BMBF-Wissenschaftsjahr „Zukunftsstadt“, wobei das Thema so ausgewählt wurde, dass man sich einen konstruktiven Dialog zwischen Bürgern und Wissenschaftlern aller Diszipllinen erhoffen kann – im Sinne moderner Wissenschaftskommunikation.

Doch zunächst einmal bin ich genauso gespannt wie Sie, wie die Fachgruppen in der GDCh Woche für Woche ein ganzes Jahr lang das Thema „Chemie und Licht“ bespielen. Und da das Jahr noch so jung ist, gestatten Sie mir den Hinweis, dass in der Silvesternacht einmal wieder Chemie und Licht eine (im wahrsten Sinne des Wortes) überragende Rolle gespielt hat. Eine Silvesternacht ohne die Kunst der Pyrotechnik? Undenkbar.

Ihnen wünsche ich ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr

und natürlich eine Aktuelle Wochenschau 2015 mit fesselnden Beiträgen.

 

Ihr

Wolfram Koch

 

PS: Schauen Sie auch mal ins Archiv der zehn bislang erschienenen Wochenschaujahre oder fordern Sie Ihre HighChem-Broschüre zur Ihrem Lieblingsthema an.