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Barbara Elvers
Gerade haben wir die siebente 40bändige Printedition des Ullmann publiziert. Der Ullmann erscheint außerdem als Online-Publikation mit vierteljährlichen Updates und auf DVD, deren Update einmal pro Jahr publiziert wird. Eine typische Seite des aktuellen Stichworts Sensor-Base Sorting zeigt Abbildung 1, tiefere Einblicke in die Enzyklopädie bietet Ihnen das Video: Barbara Elvers on Ullman's. Meine Aufgaben umfassen die Autorenakquise anhand von Ullmann-Stichworten, die überarbeitet werden müssen, sowie die Identifizierung neuer industriell relevanter Themen, die als Artikel in den Ullmann aufgenommen werden sollen. Selbstverständlich arbeite ich eng mit meinem internationalen Herausgebergremium zusammen, bin aber bei vielen Themen auch auf meine eigene Spürnase angewiesen. Dabei helfen mir Besuche internationaler Kongresse und Workshops, Lesen von Fachzeitschriften, Recherchen in Patentdatenbanken und manchmal auch einfach Glück. Das Suchen und Aufspüren von Autoren in den unterschiedlichsten Gebieten der industriellen Chemie (neben den klassischen Themen gibt es im Ullmann auch Stichworte wie "Adhesive Tapes", "Cheese and Whey" oder "Perfumes") ist auch nach über 20 Jahren immer noch eine sehr spannende Aufgabe. Nachdem ich die Autoren unter Vertrag genommen habe, betreue ich sie weiter, bis das Manuskript endgültig abgeliefert worden ist. Dies geschieht nur noch online, entweder laden die Autoren selbst ihr Manuskript auf einen externen Server hoch oder sie schicken es per Email an die Ullmann-Redaktion in Weinheim, wo es dann von meiner Mitarbeiterin hochgeladen wird. Nach erster Kontrolle teile ich dann die Manuskripte meinen Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen zu, d.h. sie erhalten Serverzugriff auf das ihnen von mir zugeteilte Manuskript. Meist sende ich noch eine Liste von Dingen mit, die mir beim Lesen des Manuskripts aufgefallen sind. Nach inhaltlicher/stilistischer und nachfolgender technischer Bearbeitung (schließlich handelt es sich um XML-Daten, XML = Extensible Markup Language, d.h. Auszeichnungssprache zur Darstellung hierarchisch strukturierter Daten) gelangt das Manuskript zur Herstellungsabteilung von Wiley-VCH, die es schließlich an den Satzbetrieb in Indien weiterreicht. Der Satzbetrieb erstellt und verschickt dann die Druckfahnen an die Autoren, die sie mit ihren Korrekturen an mich senden. Ich überprüfe die Fahnen noch einmal und schicke sie als pdf an die Herstellungsabteilung, die die Fahnen dann zur letzten Korrektur an den Satzbetrieb sendet. Nach vier bis sechs Wochen erhalten wir aus Indien die Nachricht, dass nun die endgültige HTML-Version vorliegt und der Beitrag im nächsten Online-Update und der nächsten Ullmann-DVD publiziert werden kann (s. Abb. 2).
Von Anfang an versuchte ich, wieder beruflich Fuß zu fassen, und begann mich in der chemischen Industrie im Raum Frankfurt auf eine Teilzeitstelle zu bewerben. Dies stellte sich als unmöglich heraus. Die Firmen waren nicht bereit, eine Chemikerin, die vorher nie bei ihnen gearbeitet hatte, mit einem Teilzeitvertrag einzustellen. Außerdem war es extrem schwierig, eine Ganztags-Kinderbetreuung zu organisieren. Der örtliche Kindergarten schloss um 12:00, der Kinderhort um 16:00, eine Kita gab es nicht. So entschied ich mich schließlich bei VCH (ehem. Verlag Chemie) als Freiberuflerin zu arbeiten: In der knappen Zeit, die mir neben der Familie zur Verfügung stand, übersetzte ich kurz hintereinander zwei Lehrbücher der organischen Chemie. Ich entdeckte, dass mich nicht nur das Formulieren von wissenschaftlichen Texten begeisterte und mir Spaß bereitete, sondern der ganze Prozess: von der Manuskriptabgabe über die Fahnenkorrektur bis man schließlich ein fertiges Produkt—ein Buch— in der Hand hält. Das Übersetzen von Lehrbüchern reichte mir nicht mehr, ich wollte größere Herausforderungen und beschloss, mich auf eine volle Lektoren/Redakteursstelle bei VCH zu bewerben.
Nach einem turbulenten Jahr 1988, in dem ein häufiger Personalwechsel beim Ullmann stattfand, übernahm eine Troika, die aus meiner englischen Kollegin, meinem englischen Kollegen und mir bestand, die Verantwortung. Damit waren wir alle drei nicht nur für das redaktionelle Bearbeiten von Artikeln, sondern auch für die Autorenakquise verantwortlich. Dies bedeutete, dass ich mich mit Themen befassen musste, über die ich mir vorher noch nie Gedanken gemacht hatte, um mich mit potentiellen Autoren einigermaßen kompetent unterhalten zu können. Dies und auch die Erkenntnis, dass viele Arbeits- und Forschungsbereiche, die ich vorher nie wahrgenommen hatte, sich auch mit anspruchsvollen Problemen befassen, erhöhte die Faszination noch. Sich beim Arbeiten ständig weiter zu bilden und dazuzulernen, schätze ich als einen großen Vorteil dieser Tätigkeit.
Als begeisterte Chemikerin, der das Ansehen der Chemie in der Gesellschaft und die Selbstdarstellung der Chemiker nach außen ein wichtiges Anliegen ist, sehe ich es als selbstverständlich an, mich in der GDCh zu engagieren. Nach meiner Aufnahme in die Gesellschaft Deutscher Chemiker 1988 wurde ich Mitglied der Fachgruppen Geschichte der Chemie und der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie und war von 2003 bis 2005 im Vorstand der GDCh Ortsgruppe Hamburg aktiv. Auch wenn unser Fachgebiet in der Öffentlichkeit heutzutage positiver gesehen wird als in den 1980er Jahren—als "Frankensteins" werden wir nicht mehr angesehen—, so gibt es immer noch eine Fülle von Vorurteilen, denen wir als Fach- und Standesorganisation entgegentreten und sie ausräumen müssen.
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Schlauer Fuchs
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