Ein Zuhause auf Zeit

„Auch in einer Zeit, in der Überschallflugzeuge die Überquerung von Ozeanen auf das Maß von Stunden reduzieren, in der die elektronische Post mit der Geschwindigkeit eines Augenblicks die Erde umkreist, bleibt die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit darauf angewiesen, dass Forscherinnen und Forscher aus anderen Ländern mit ihren Familien Wohnungen finden, in denen sie gerne und mit Freude leben.“ (Prof. Dr. Wolfgang Frühwald, Präsident der Alexander von Humboldt Stiftung, Mai 2001)


Als Teil des IBZ-Ost Programms errichtete die Alexander von Humboldt Stiftung (AvH) 1997 im Technologiepark Adlershof und in der Nähe, auf einem Ufergrundstück an der Dahme zwei Internationale Begegnungszentren (IBZ) für wissenschaftliche Gäste, die Forschungsaufenthalte in Berlin verbringen. 2003 kam in Adlershof noch ein Erweiterungsbau hinzu, der überwiegend von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern genutzt wird, die Experimente am Synchrotronspeicherring BESSY II durchführen. Insgesamt stehen so im Südosten Berlins 78 Wohnungen zur Verfügung, die internationalen Gästen ein Zuhause auf Zeit bieten (Abb. 1).


Die IBZ-Programme sind neben den weiteren Aktivitäten der AvH, des DAAD und ähnlicher Organisationen, Bausteine mit denen die Bundesregierung Inter-nationalisierung strategisch fördert. Ziel ist, das Interesse am wissenschaftlichen Wirken in Deutschland zu fördern und durch die Ausbildung künftiger Eliten in Partnerländern mit diesen tragfähige Beziehungen aufzubauen. In den meisten Ländern gibt es heute Alumni, die das Ansehen Deutschlands in der Welt mitbestimmen. Die Wahrnehmung Deutschlands als attraktiver Wissenschafts¬standort wird zudem durch Maßnahmen wie „Study in Germany- Land of Ideas“ gestärkt. (Bericht der Bundesregierung zur internationalen Kooperation in Bildung, Wissenschaft und Forschung 2014-2016, Juni 2017)


In den Internationalen Begegnungszentren Adlershof und Köpenick stehen nicht nur günstige Mieten und die Nähe zum Arbeitsplatz im Vordergrund, sondern als Herz der Häuser ein wissenschaftliches Begegnungsprogramm. Hierzu gehören neben dem wissenschaftlichen Austausch verschiedene Veranstaltungen, die das Knüpfen von Kontakten erleichtern wie z.B. regelmäßig angebotene Ausflüge und Filmabende, aber auch jahreszeitliche Feiern, wie Sommerfeste und Weihnachtsfeiern (Abb. 2).


Unter dem Titel „Out of House“ laden wir unsere Gäste an Wochenenden ein, zusammen eine Sehenswürdigkeit oder Veranstaltung zu besuchen. Neben der Möglichkeit ihre Mitbewohner in den IBZ besser kennenzulernen, bietet diese Veranstaltungsreihe die Gelegenheit unseren Gästen Berlin und die deutsche Kultur näher zu bringen.


Einmal im Monat ist es in unserem IBZ Adlershof Zeit für die „Open House“ Veranstaltung. Hierbei handelt es sich um eine Abendveranstaltung, in deren Mittelpunkt z.B. die Vorführung eines deutschsprachigen Filmes (mit englischen Untertiteln) steht. Bei den gezeigten Filmen handelt es sich entweder um deutsche Produktionen oder um Filme mit lokalem Bezug. Auch bei dieser Veranstaltung bietet der lockere Rahmen hervorragende Bedingungen um untereinander ins Gespräch zu kommen und sich kennenzulernen. Darüber hinaus ist die Tatsache, dass die Filme in deutscher Sprache gezeigt werden eine ideale Ergänzung der angebotenen Deutschkurse.


Die Planung und Durchführung der Veranstaltungen des Begegnungsprogramms ist neben den Aufgaben der Hausverwaltung zentraler Auftrag des Guest Relations Managers. Es gilt unsere Gäste bei ihrem Forschungsaufenthalt zu unterstützen und ihnen das Leben und Einleben in Deutschland zu erleichtern. Statt selbst aktiv Forschung zu betreiben nimmt man eine unterstützende Rolle ein, die aufgrund ihrer Vielfältigkeit und des Kontakts mit vielen Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturkreisen spannend ist und immer aufs Neue motiviert.

Abb.1 IBZ Adlershof
Abb.2 IBZ Sommerfest

Über die Autoren

Dr. Ursula Westphal ist seit 1996 in unterschiedlichen Funktionen im Technologiepark Berlin Adlershof tätig und heute Geschäftsführerin des Netzwerks der außeruniversitären Forschungseinrichtungen (IGAFA e.V.). Zuvor Projektmanagerin im Institut für Chemie der Technischen Universität Berlin. Chemiestudium und Promotion an der Albert-Ludwig Universität Freiburg, an der TU Berlin und sowie BWL Aufbaustudium an der Fernuniversität Hagen.

 

Matthias Brandt
hat Molekulare Biomedizin an der Rheinischen Friedrichs-Wilhelms-Universität Bonn studiert. Anschließend hat er dort mehrere Jahre am Institut für Rekonstruktive Neurobiologie an induziert pluripotenten Stammzellen zur Etablierung von Krankheitsmodellen geforscht. Seit 2016 ist er als Guest Relations Manager bei der IGAFA, der Initiativgemeinschaft Außeruniversitärer Forschungseinrichtungen, tätig.