Als Chemikerin Geschäftsführerin des Netzwerks der außeruniversitären Forschungseinrichtungen

Die Berliner Wissenschaftslandschaft zählt heute zu den größten und vielfältigsten in Europa: vier Universitäten, sieben Fachhochschulen, vier Kunsthochschulen, fast dreißig private Hochschulen und knapp 70 Forschungseinrichtungen sind hier angesiedelt. Die außeruniversitären, überwiegend von Bund und Ländern gemeinsam geförderten Forschungseinrichtungen machen dabei eine besondere Stärke aus. Alle großen Forschungsorganisationen sind in der Hauptstadt vertreten: die Helmholtz-Gemeinschaft mit drei Zentren, die Max-Planck-Gesellschaft mit fünf und die Fraunhofer-Gesellschaft mit vier Instituten. Daneben ist Berlin deutschlandweit größter Standort der Wissenschafts¬gemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz, die mit 14 Einrichtungen präsent ist. Die Stärke der außeruniversitären Forschung Berlins liegt sowohl in den Naturwissenschaften als auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften, die entscheidende Impulse für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft setzen.

 

Beispielhaft aber für Berlins wissenschaftliche Leistungsfähigkeit im Bereich der Naturwissenschaften  ist Adlershof, der erfolgreichste und modernste Technologiestandort Deutschlands. Hier arbeiten, forschen und entwickeln, lehren und lernen über 25.000 Menschen in zehn außeruniversitären Forschungseinrichtungen, sechs mathematisch-naturwissenschaftlichen Instituten der Humboldt-Universität zu Berlin und in knapp 1000 Unternehmen. 

 

Mit der 1997 gegründeten Initiativgemeinschaft der Außeruniversitärer Forschungseinrichtungen e.V. (IGAFA) hat der Technologiepark ein Alleinstellungsmerkmal für die erfolgreiche Vernetzung der Akteure. »Es muss einen kontinuierlichen, professionellen Ansprechpartner geben, eine für die Zusammenarbeit verantwortliche Institution, sonst klappt es nicht«, war die einhellige Meinung der Wissenschaftler, die sich frühzeitig für die Gründung des Vereins engagiert haben, „Hauptaufgabe dieser Einrichtung soll es nicht sein, den Glanz nach außen zu tragen, sondern die Funktion eines „Kümmerers“ zu übernehmen.

 

Seitdem organisiert das Wissenschaftsbüro der IGAFA pro Jahr rund 100 Veranstaltungen zum wissenschaftlichen Austausch und zur Förderung von Kontakten. Gemeinsam mit der Humboldt-Universität finden in Adlershof zahlreiche Kolloquien und andere Vortragsveranstaltungen sowie eine jährliche Standortkonferenz statt. Beide Partner vergeben gemeinsam mit dem Standortbetreiber, der WISTA-MANAGEMENT GMBH, den Adlershofer Dissertationspreis für eine herausragende Arbeit, die in Adlershof angefertigt wurde. Auf kurzem, informellem Wege geschieht das Netzwerken beispielsweise beim »Academic Lunch«, bei dem leitende Wissenschaftler der Forschungseinrichtungen, Professoren der Humboldt-Universität und Geschäftsführer von technologieorientierten Unternehmen aus Adlershof ein aktuelles Thema aus Forschung und Technologie bei einem zwanglosen Mittagessen diskutieren – in der Regel mit einem prominenten Gast, z. B. einem Botschafter, einem Industrievertreter, dem Präsidenten einer Universität oder einem Mitglied der Berliner Landesregierung.

 

Heute sind die Adlershofer Forschungseinrichtungen insbesondere mit den Universitäten in Berlin und Brandenburg eng verzahnt. So ist die überwiegende Zahl der leitenden Wissenschaftler in den Instituten gleichzeitig als Professoren an den Hochschulen tätig. Allein innerhalb des Technologieparks Adlershof bestehen über 100 dauerhafte, vertraglich geregelte Kooperationen zwischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Humboldt-Universität. Die insgesamt knapp 800 internationalen Kooperationen der Forschungseinrichtungen unterstützt die IGAFA durch den Betrieb von zwei Internationalen Begegnungszentren, in denen u.a. über 50 Wohnungen für Forschungsaufenthalte internationaler Wissenschaftler bereit gestellt werden.

 

Die Vernetzungsdichte innerhalb des Technologieparks Adlershof gilt heute als beispielhaft. Zu diesem Erfolg hat die IGAFA wesentlich beigetragen.

 

Der Beitrag eines Chemikers / einer Chemikerin in der Geschäftsführung eines regionalen Netzwerks, wie der IGAFA, ist nicht nur die wissenschaftliche Sachkenntnis sondern auch das Wissen „wie Wissenschaft tickt“. Darüber hinaus sind Managementfähigkeiten und Freude am Umgang mit Menschen gefragt.

 

Abb1. Festkolloquium zum 20jährigen Bestehen
Abb2. Networking
Abb3. Tag der Chemie 2017
 

Über die Autorin

Dr. Ursula Westphal ist seit 1996 in unterschiedlichen Funktionen im Technologiepark Berlin Adlershof tätig und heute Geschäftsführerin des Netzwerks der außeruniversitären Forschungseinrichtungen (IGAFA e.V.). Zuvor Projektmanagerin im Institut für Chemie der Technischen Universität Berlin. Chemiestudium und Promotion an der Albert-Ludwig Universität Freiburg, an der TU Berlin und sowie BWL Aufbaustudium an der Fernuniversität Hagen.