Als Chemikerin Geschäftsführerin in zwei Berufsverbänden für Materialprüfung

Es ist nicht unbedingt notwendig, für die Geschäftsführung in der Materialprüfung Chemie zu studieren – jeder andere bspw. naturwissenschaftliche oder ingenieurtechnische Studiengang wäre ebenfalls dafür geeignet. Aber alle Materialen haben chemische, physikalische und ggf. biologische Eigenschaften, für deren Bewertung und Prüfung ein entsprechendes Grundverständnis von Vorteil ist. Für die Geschäftsführung von Verbänden in der Konformitätsbewertung sollten daneben auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse sowie Interesse an der Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit vorhanden sein.

 

Der Verband der Materialprüfungsanstalten e. V. (VMPA; http://www.vmpa.de ) wurde 1948 als Berufsverband gegründet. Seit Beginn gelten seine Mitglieder als Vorreiter auf den Gebieten der Materialprüfung – sowohl bei der Entwicklung und Normung neuer zeitgemäßer Prüfverfahren als auch in der entsprechenden anspruchsvollen technischen Ausstattung. Jedes neu entwickelte Material zieht zwingend die Entwicklung eines entsprechend genormten Prüfverfahrens nach sich, das die Reproduzierbarkeit und gleichbleibende Qualität gewährleistet.

 

Die Mitglieder des VMPA sind staatliche und private Einrichtungen, die als unabhängige und unparteiliche Organisationen (Third Parties, also unabhängig von Herstellern (First Party) und Vertriebsorganisationen (Second Party)) in der Forschung sowie als kompetente, vertrauenswürdige, seriöse und kundenorientierte Dienstleister im Konformitätsbewertungs- und Prüfungsbereich tätig sind, wie z. B. die BAM (Bundesanstalt für Materialprüfung). Ihre Neutralität gewinnt im Zeitalter der Globalisierung zunehmend an Aktualität – insbesondere im Hinblick auf viele weltweite Skandale z. B. im Umwelt-, Lebensmittel- und Baubereich, die durch nicht ausreichende Prüfungen und Fremd-Überwachungen der Hersteller entstanden sind. 

 

Die Mitglieder des VMPA prüfen, überwachen und bewerten in fast allen Lebensbereichen die Qualität von Materialien, Produkten und Konstruktionen – sie betreiben z. B. Beton-, Schallschutz-, Holz-, Brandprüfstellen, um nur einen winzigen Ausschnitt zu nennen. Als Verband bietet der VMPA auch direkte Vergleichsmessungen bzw. Ringversuche für Prüfstellen auf dem Gebiet der Bauakustik und Emission/Immission an, um deren Qualität auf hohem Niveau zu sichern. 

 

Hierbei mitzuwirken, neue Bereiche der Qualitätssicherung beispielsweise im Baubereich zu erschließen und nicht zuletzt die Mitarbeit in den beratenden Fachkommissionen des VMPA machen den besonderen Reiz der verantwortlichen Geschäftsführung aus.

 

EUROLAB-D 

Seit 2014 führt die Geschäftsstelle des VMPA zusätzlich die Geschäftsstelle von EUROLAB-D (http://www.eurolab-d.de/). 

Der VMPA war im Jahr 1990 eines der Gründungsmitglieder des Vereins „EUROLAB-Deutschland – Chemische Analytik; Mess- und Prüftechnik e. V.“ und nimmt darin die Interessenvertretung seiner Mitglieder wahr. Der Verein EUROLAB-D ist ein Verband - bestehend aus juristischen und natürlichen Personen, die ein Prüflaboratorium in Deutschland betreiben, beurteilen, beraten oder ein Interesse an der Arbeit der europäischen Organisationen EUROLAB aisbl oder EURACHEM haben. U. a. ist auch die GDCh Mitglied in EUROLAB-D. 

 

Der Verband fördert die Zusammenarbeit mit technisch-wissenschaftlichen Vereinigungen ähnlicher Zielsetzung und ist das Bindeglied zu den beiden o.g. europäischen Organisationen. Im Vordergrund stehen dabei die Förderung der wechselseitigen Anerkennung von Prüfergebnissen, die Vereinheitlichung der Anforderungen an das Qualitätsmanagement in Prüflaboratorien auf internationaler Ebene und die Herbeiführung einer einheitlichen Auffassung über die technischen und analytisch-chemischen Aspekte des Qualitätsmanagements und anderer relevanter Managementsysteme. Letztlich positioniert man sich auch über die europäischen Verbände gegenüber EA (European Co-Operation for Accreditation), in der alle europäischen Akkreditierungsstellen vertreten sind.

 

Hierfür erarbeiten die Mitglieder von EUROLAB-D in den entsprechenden Fach-Ausschüssen für Chemische Analytik, für Produktprüfung und –zertifizierung sowie für Qualitätsmanagement wichtige Vorlagen für nationale und internationale Dokumente, sog. „Kochbücher“ und Normen. Wegen der obligatorischen Mitarbeit der Geschäftsführung in den Fach-Ausschüssen dieses Verbandes sind auch hier naturwissenschaftliche/chemische Kenntnisse sehr erwünscht. Gleichzeitig werden viele wertvolle Erfahrungen in der Normungsarbeit gewonnen, die letztlich der gesamten Community zugutekommen. 

 

VMPA und EUROLAB-D haben sich in enger Kooperation mit der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS), die die Akkreditierung als hoheitliche Aufgabe seit 2010 umzusetzen hat, die Verbesserung der Akkreditierungsbedingungen von Konformitätsbewertungsstellen (Laboratorien, Inspektions- und Zertifizierungsstellen) auf die Fahnen geschrieben. Das Verfahren der Akkreditierung = Kompetenzbestätigung schafft Vertrauen in die Ergebnisse von Zertifikaten, Prüfberichten und Inspektionen und unterstützt deren weltweite Anerkennung und Vergleichbarkeit. Damit wird ein wichtiger Beitrag für die Qualitätssicherung von Produkten und Dienstleistungen, den Verbraucherschutz und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft geleistet.

Abb. 1: Eingangsbereich Geschäftsstelle (Bildquelle VMPA e.V.)
Abb. 2: Druck-Kalibrierung MPA Hannover (Bildquelle VMPA e.V.)
Abb. 3: Brandprüfung (Bildquelle MPA Karlsruhe)
Abbildung 4: Kohlenstoffbestimmung (Bildquelle MPA Hannover)

Über die Autorin

Dipl.-Chem. Susanne Feist, Studium der Chemie an der Humboldt-Universität zu Berlin, Forschungsarbeiten in der Akademie der Wissenschaften der DDR, Verwaltungsleiterin des Instituts für Angewandte Chemie Berlin-Adlershof e. V., später des Leibniz-Instituts für Katalyse e. V. an der Universität Rostock, seit 2011 Geschäftsführerin des VMPA, Berlin