Spannende Aufgaben in einer Staatskanzlei

Haben die Würdigung der Friedlichen Revolution 1989/1990 in Sachsen oder eine aktuelle Kreisbereisung des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich in der Lausitz einen Bezug zur Chemie? Nein. Oder doch? Für beide und noch viele weitere Themen mehr ist mein Referat „Vereine, Verbände, Gewerkschaften, gesellschaftliche Gruppen; Kirchen“ in der Sächsischen Staatskanzlei zuständig. Das Semikolon vor dem Wort Kirchen ist übrigens kein Schreibfehler, sondern weist darauf hin, dass wir in Kirchenangelegenheiten grundsätzlichere Zuständigkeiten haben, sozusagen über die Kirchenverträge und das Staatskirchenrecht in Sachsen wachen.

Was qualifiziert einen Chemiker für so eine Aufgabe? Analytisches Gespür zum Beispiel. Erfahrung mit eigenständiger wissenschaftlicher Arbeit in der Chemie kann auch von Vorteil sein. Die Fähigkeit zum Perspektivwechsel und zur interdisziplinären Zusammenarbeit vorwiegend mit Juristen, Wirtschafts-, Sozial- oder Geisteswissenschaftlern sind aber unabdingbar. Und diese Fähigkeiten lernt man erst in der beruflichen Praxis. Meine aktuelle Tätigkeit kann ich weit überwiegend als Kommunikation beschreiben.

Abbildung 1: Martin Kuhrau erinnert bei einer Veranstaltung in den Vogesen an französische und deutsche Opfer des I. Weltkrieges und würdigt die heutige Freundschaft der beiden Völker.

Die Fähigkeit zum Bürgerdialog ist gerade in Zeiten wichtig, in denen grundlegende Werte unserer freiheitlichen Demokratie kritisch hinterfragt werden und deren Bedeutung manchem Bürger nicht (mehr) ausreichend bewusst sind. Auch nicht Allen, dass gerade Freiheit und Demokratie von mutigen Frauen und Männern gegen die Diktatur in der DDR erkämpft werden mussten. Damit dies wieder bewusster werden kann, ist das 25jährige Jubiläum von Revolution und Deutscher Einheit in Sachsen mit zahlreichen Veranstaltungen begleitet worden. Zwei Förderprogramme ermunterten insbesondere jüngere Zielgruppen zur eigenen Befassung mit den Grundlagen der sächsischen Demokratie.

Der Ministerpräsident widmet sich nach seiner zeitlich aufwändigen Bundesratspräsidentschaft noch intensiver dem persönlichen Austausch mit den Sachsen – er bereist die Landkreise, hört zu, welche Probleme bewegen, diskutiert in Dialogveranstaltungen, welche Lösungen Politik anbieten kann. Gerade in Zeiten, da sich selbst bestätigende Wahrnehmungen in sozialen Netzwerken problematisch auf den Gemeinsinn auswirken, sind persönliche Kontakte mit möglichst vielen Gesprächspartnern unbedingt notwendig.

Gesellschaftspolitisches Engagement lebt stark von Vorbildern. Deshalb würdigt der Ministerpräsident alljährlich gemeinsam mit der Stiftung Frauenkirche Dresden und der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank vorbildlichen Einsatz für das Gemeinwesen in fünf Kategorien. Im Jahr 2016 sind erstmals Preisträger in einer neuen Kategorie „Arbeit mit Flüchtlingen“ gewürdigt worden: eine Gruppe Jugendlicher, die selbständig und mutig die Herausforderung angenommen haben.
All das und noch viel mehr Einzelthemen, die hier den Rahmen sprengten,  beschäftigen meine motivierten Mitarbeiter und mich täglich neu. Langeweile kommt jedenfalls nicht auf.
Nähere Informationen sind auch unter den Weblinks zu finden:

www.89-90.sachsen.de
www.dialog.sachsen.de
www.freistaat.sachsen.de/Buergerpreis.htm

Über den Autor

Dr. Martin Kuhrau, Studium Diplom-Chemie an der Universität Freiburg i. Br., Promotion zum Dr. rer. nat. an der Universität Mainz, heute Leiter des Referates „Vereine, Verbände, Gewerkschaften, gesellschaftliche Gruppen; Kirchen“ der Sächsischen Staatskanzlei in Dresden.