Arbeiten bei der Alexander von Humboldt-Stiftung

Die Alexander von Humboldt-Stiftung fördert den Austausch zwischen exzellenten ausländischen und deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern – zum Beispiel mit Forschungsstipendien und Forschungspreisen. Dabei zählt nur eines: Die persönliche exzellente Leistung der Geförderten. Es gibt keine Quoten, weder für einzelne Länder noch für einzelne akademische Disziplinen. Die Auswahlgremien der Stiftung mit Wissenschaftlern aller Fachrichtungen entscheiden unabhängig und allein nach wissenschaftlicher Qualität der Bewerber für die Stipendien- und Preisprogramme der Stiftung.[1] Dabei fördert die Stiftung Spitzenleistung, herausragende Personen und das ein Leben lang, so fasst es ihre strategische Ausrichtung zusammen.[2]

Das ist ein sehr hoher Anspruch, sowohl was die wissenschaftlichen Standards als auch was die Nachhaltigkeit der Förderung angeht. Dies umzusetzen ist Aufgabe der über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der gemeinnützigen Stiftung, die hauptsächlich aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Auswärtigen Amtes finanziert wird. Etwa 30 der  Mitarbeiter, die mit der Auswahl und Förderung internationaler Forscherbefasst sind, sind selbst promovierte Wissenschaftler, davon wiederum drei Chemiker.

Die Chemie spielt in der Stiftung eine wichtige Rolle und das nicht erst seitdem der Chemiker Prof. Helmut Schwarz im Jahr 2008 vom damaligen Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier zum Präsidenten der Humboldt-Stiftung ernannt wurde. Innerhalb der letzten fünf Jahre stellt die Chemie mit über 17% der Anträge in den Forschungsstipendienprogrammen (Abb. 1a) für Nachwuchswissenschaftler einen relativ zur Größe des Faches deutlich überdurchschnittlichen Anteil der Bewerbungen. Auch in den Forschungspreisprogrammen (Abb. 1b) für etablierte und bereits international  anerkannte Wissenschaftler ist die Chemie mit gut 12% Anteil noch recht gut vertreten. Bei den Programmen zur längerfristigen bzw. dauerhaften Gewinnung von Spitzenwissenschaftlern aus dem Ausland zum Aufbau von Arbeitsgruppen in Deutschland (Alexander von Humboldt-Professur, Sofja Kovalevskaja Programm; Abb. 1c,) ist der Anteil von Chemikern überraschend niedrig und fällt mit nur noch 5% klar unterdurchschnittlich aus. Bislang hat sich noch kein klar nachvollziehbarer Erklärungsansatz für diese doch gravierenden Unterschiede der Beteiligung der Chemie an den unterschiedlichen Förderlinien der Stiftung durchgesetzt. Letztendlich scheint die personenbezogene Einzelförderung dem Wesen der Chemie offenbar am besten gerecht zu werden.

Abbildung 1.

In der täglichen Arbeit als Fächergruppenleiter in der Auswahlabteilung der Stiftung stehen natürlich die jährlich etwa 500 Förderanträge von Chemikern aus aller Welt  im Mittelpunkt. Hierbei geht es insbesondere darum, eine fachlich kompetente und faire Begutachtung der Personen und eben nicht (nur) der präsentierten Forschungsideen sicher zu stellen. Eine Gruppe von etwa 1000 Fachgutachtern allein im Bereich der Chemie sowie insgesamt 19 Fachvertreterinnen und Fachvertreter für die Teilbereiche der Chemie in den verschiedenen Auswahlgremien unterstützen die Stiftung hierbei ehrenamtlich.
Ergebnis dieser Arbeit in den vergangenen 63 Jahren seit Wiedergründung der Stiftung 1953 durch das Auswärtige Amt ist ein Netzwerk von insgesamt gut 4500 Chemikern weltweit (Abb. 2), die mit Fachkollegen in Deutschland kooperieren, darunter 19 Chemie-Nobelpreisträger. Die Stiftung initiiert diese Kooperationen durch die Erstförderung. Sie  fördert die Kooperationen zwischen internationalen und deutschen Wissenschaftlern aber auch langfristig über die gesamte wissenschaftliche Karriere ihrer Alumni hinweg immer wieder punktuell beispielsweise durch die Finanzierung erneuter Deutschlandaufenthalte oder weitere Maßnahmen der Alumniförderung.

 

 

Abbildung 2.

Der ganz überwiegende Teil der Humboldtianer verbleibt im weiteren Verlauf ihrer Karriere im akademischen Bereich. So zeigen die Ergebnisse verschiedener Programmevaluationen, dass etwa 20 Jahre nach Förderung als Postdoc über 80% der Geförderten ein Full Professorship erreicht hatten. Aber natürlich gibt es gerade auch in Deutschland eine nennenswerte Zahl von Geförderten, die in den Forschungsabteilungen der Chemischen Industrie oder auch im öffentlichen Dienst eine erfolgreiche Karriere an die Förderung durch die Stiftung angeschlossen haben. So sind zwei der drei bei der Humboldt-Stiftung tätigen Chemiker selbst Humboldtianer, die einst mit einem Feodor Lynen Forschungsstipendium Forschungsaufenthalte im Ausland verbracht haben.