„Von der Bioinformatik bis zur Lebensmittelüberwachung: Die Entwicklung eines Testsystems für unerlaubte ZNS-Zusätze in Lebensmitteln“ |
Monika Pischetsrieder
Die schnelle Ausbreitung der Rinderkrankheit BSE (Bovine Spongiforme Encephalopathie) und das Auftreten einer neuen Variante der Creutzfeld-Jakob Erkrankung (vCJD), die höchstwahrscheinlich über den Verzehr BSE-infizierter Lebensmittel auf den Menschen übertragen wird, machten die rasche Entwicklung und Einsetzung neuer Verbraucherschutzmaßnahmen notwendig. Bis heute wurden in der EU mehr als 180.000 BSE-Fälle registriert, der überwiegende Teil davon in Großbritannien und Nordirland und etwas mehr als 400 Fälle in Deutschland. Auch heute noch ist BSE ein Thema, jedoch in erheblich geringerem Umfang - 2007 wurden in der EU noch 174 BSE-Fälle gemeldet. Bis heute wurde bei 208 Patienten vCJD diagnostiziert.
Die wichtigsten Maßnahmen stellten sicherlich die obligatorischen BSE-Testungen und das Verfütterungsverbot von Tiermehl dar. Da jedoch die eingesetzten BSE-Tests die Krankheit in einem späten Stadium erkennen und das Tier möglicherweise schon vorher die Krankheit überträgt, wurde zusätzlich noch Spezifiziertes Risikomaterial aus der menschlichen Ernährung ausgeschlossen. Spezifiziertes Risikomaterial ist vor allem Gewebe des zentralen Nervensystems (ZNS), also Hirn und Rückenmark, von älteren Rindern und Schafen. In Deutschland darf darüber hinaus allgemein ZNS-Gewebe nur noch für die Herstellung von Wurst verwendet werden, wenn deklariert wird, dass das Produkt Hirn enthält. Weiterhin müssen Schlachthöfe sicherstellen, dass kein ZNS-Übertrag zwischen Schlachttieren auftritt. Diese rechtlichen Vorgaben erforderten die Entwicklung neuer Testsysteme zum sicheren Nachweis von ZNS-Gewebe in Fleisch und Wurst. An Hand dieses Beispiels soll hier die systematische Entwicklung eines neuen Analyseverfahrens nachvollzogen werden.
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Auf der Suche nach neuen Markern für ZNS-Gewebe
Um den Zusatz von Gehirn oder Rückenmark sicher zu erkennen, braucht man zunächst Markerverbindungen, also charakteristische Inhaltsstoffe von ZNS-Gewebe, die in anderen Organen praktisch nicht vorkommen. Besonders wichtig und schwierig ist dabei die Unterscheidung zwischen peripheren Nerven, die das Fleisch durchziehen, und zentralen Nerven. Prinzipiell können alle Stoffklassen als Marker verwendet werden, einen besonders spezifischen Nachweis kann man aber sehr häufig über Proteine erreichen. Für ZNS-Gewebe charakteristische Proteine können durch eine bioinformatische Analyse entdeckt werden, z. B. durch expressed sequence tags (EST) oder serial analysis of gene expression (SAGE). Dazu werden große Datenbanken durchsucht, in denen die Gene dokumentiert sind, die in den jeweiligen Organen in Proteine umgeschrieben werden. Bei diesen bioinformatischen Analysen fiel Myelin Proteolipid (PLP) auf, das mit einer sehr viel höheren Spezifität in Gehirn und Rückenmark vorkommt als andere Proteine. PLP wurde deshalb für die weitere Testentwicklung herangezogen.
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Beteiligte Projektpartner
| Schlauer Fuchs |
Machen Sie mit bei der Aktion Schlauer Fuchs, und beantworten Sie die folgende Frage: Wie heißt die Markerverbindung, mit deren Hilfe man Gewebe des zentralen Nervensystems nachweist? Schicken Sie Ihre Antwort an: schlauerfuchs@gdch.de |
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Literaturhinweise
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