„Furane als Bindeglied zwischen Nachwachsenden Rohstoffen und ehemals petrochemischen Plattformchemikalien“
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A. Stephen K. Hashmi
Die heutige Basis für die Produktion der im Alltag einer modernen Gesellschaft nicht
ersetzbaren Produkte der chemischen Industrie ist letztendlich das Erdöl. Ausgehend
von dieser petrochemischen Basis werden zunächst in sehr großem Maßstab so
genannte Plattformchemikalien gewonnen. Aus letzteren wird dann durch
zunehmende chemische Differenzierung das Produkt, das wir aus unserem Alltag
kennen.
Eine sehr große Zahl dieser Plattformchemikalien enthält den sechsgliedrigen
Benzolring (siehe Abb. 1) als gemeinsames Strukturmotiv. Wir kennen durch
langjährige Untersuchungen und Erfahrungen die Eigenschaften, der davon
abgeleiteten Produkte, wie Materialeigenschaften, physiologische Eigenschaften,
Bio-Abbaubarkeit u.a. und wollen bei einem zukünftigen Einsatz nachwachsender
Rohstoffe nicht mühsam eine völlig neue Chemie und neue Produktions-Anlagen
entwickeln und die Eigenschaften neuer Produkte in einem langwierigen Prozess
mühsam bestimmen. Um also bei einem zukünftigen Einsatz nachwachsender
Rohstoffe weiterhin Produkte auf der Basis von Benzol-Derivaten mit uns bekannten
Eigenschaften nutzen zu können, sind Verfahren notwendig, die es ermöglichen,
diese nachwachsenden Rohstoffe effizient in Benzol-Derivate zu überführen.
Der Löwenanteil der nachwachsenden Rohstoffe sind mit etwa ¾ die Kohlenhydrate.
Nur ein kleiner Anteil sind z.B. Fette und Öle, die heute schon teilweise z.B. zu
„Biodiesel“ verarbeitet werden, aber natürlich auch als Nahrung genutzt werden.
(siehe Aktuelle Wochenschau, Woche 4) Nicht alle Kohlenhydrate der Biomasse
können für die menschliche Ernährung genutzt werden. Einige dieser Kohlenhydrate,
wie sie beispielsweise in den für uns ungenießbaren Erdnussschalen oder Stroh
vorkommen, können durch eine einfache Säurebehandlung in Furan-Derivate wie
Furfural und Hydroxymethyl-Furfural (Abb. 1, auch als der „Sleeping Giant“
bezeichnet) überführt werden, ein Verfahren, das schon länger bekannt ist. (siehe
Aktuelle Wochenschau, Woche 8) Strukturell handelt es sich beim Furan-Ring wie
bei Benzol-Ring um ein aromatisches System, und es stellt sich die Frage, ob nicht
ein effizientes Verfahren für die Überführung von Furan-Derivaten in Benzol-Derivate
als Plattformchemikalien möglich ist.
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Abbildung 1: Wie kann man aus Furan-Derivaten, die aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden, die als Plattformchemikalien so wichtigen Benzol-Derivate herstellen?
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Hier konnte meine Arbeitsgruppe im Jahr 2000 eine interessante Reaktion
publizieren, die genau diese Transformation ermöglicht. Durch Anknüpfung einer
Propargylgruppe an die reduzierten Furfural-Derivate und eine anschließende Goldkatalysierte
Isomerisierungs-Reaktion, in deren Verlauf vier Bindungen gebrochen (in
rot in Abb. 2) und vier neue Bindungen geknüpft werden (in blau in Abb. 2), können
Benzol-Derivate mit einer Hydroxy-Gruppe, also Phenole, erhalten werden. Durch
intensive Untersuchungen in den letzten Jahren ist diese komplexe chemische
Transformation mittlerweile gut verstanden, und hat sich als eine der zuverlässigsten
im Bereich der Gold-Katalyse etabliert. Aufgrund der kleinen katalytischen Menge,
die eingesetzt werden muss, ist Gold als Katalysator nicht zu teuer und ohne
weiteres selbst im großen Maßstab einsetzbar. So gibt es großtechnische Verfahren,
die selbst das teurere Platin bzw. Rhodium nutzen, wie das Reforming von
Kohlenwasserstoffen und die Hydroformylierung, Prozesse die heute im Multi-
Millionen-Tonnen-Maßstab durchgeführt werden.
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Abbildung 2: Die Gold-katalysierte Phenolsynthese als Bindeglied zwischen Furan- und Benzol-Derivaten.
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Diese Gold-katalysierte Phenolsynthese hat sich bereits an einer Vielzahl von
verschiedensten Furan-Substraten bewährt, und in einigen unserer Untersuchungen
konnten wir zeigen, dass zum Teil sehr geringe Mengen des Gold-Katalysators
ausreichen. Allerdings muss hier die Katalysator-Entwicklung in Zukunft noch weiter
voranschreiten.
Die Reduktion der Furfural-Derivate erfolgt durch katalytische Reduktion mit
Wasserstoff, also „atomökonomisch“. Dabei gelingt beim Einsatz von Furyl-ketonen
auch eine asymmetrische Reduktion in Gegenwart chiraler Katalysatoren (Abb. 3).
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Abbildung 3: Enantiomerenreine Substrate durch vorgeschaltete asymmetrische Reduktion eines Furyl-ketons.
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Die vier in Abb. 2 grün markierten Kohlenstoffatome stammen aus nachwachsenden
Rohstoffen, da für diese Reaktion aber noch ein Alkin als Reaktionspartner benötigt
wird, stammen die beiden gelb markierten Kohlenstoffatome des Benzolrings nach
heutigem Stand der Technik letztendlich aus fossilen Quellen. Dies stellt zwar eine
Verbesserung gegenüber anderen heute bekannten Synthesen von Benzol-
Derivaten dar, bei denen zum Teil alle sechs Kohlenstoffatome des Benzolrings auf
Alkinen beruhen. Letztendlich ist das Ziel, alle sechs Kohlenstoffatome des
Benzolrings aus erneuerbaren Resourcen zu gewinnen. Dies ist nun eines der
nächsten Ziele. Hierbei denken wir an eine auf Alkenen basierende Reaktion unter
Einbeziehung einer Dehydrierung.
Letztendlich werden auch hierbei Gold-Katalysatoren eine wichtige Rolle spielen
können, was sich auch z.B. bei selektiven Oxidationen mit Luftsauerstoff als
Oxidationsmittel im vergangenen Jahr gezeigt hat.
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Kontakt
Prof. Dr. A. Stephen K. Hashmi
Organisch-Chemisches Institut
Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 270
69120 Heidelberg
Tel.: +49 (0)6221 54-8413
Fax: +49(0)6221 54-4205
E-mail: hashmi@hashmi.de
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