„Nachhaltige Chemie - eine Schlüsseltechnologie für das 21.Jahrhundert“ |
Matthias Beller
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Für eine sowohl ökonomisch als auch ökologisch und sozial optimierte Wertschöpfung sind nachhaltige Produktionsprozesse heute und in Zukunft das wichtigste Instrument zur Verbesserung chemischer Produktionsverfahren.
![]() | Die meisten organischen Synthesen sind nicht effizient! | ![]() Neue katalytische Methoden müssen entwickelt und bekannte Verfahren verbessert werden! |
| Umwelt | Minimum an Abfällen; Verwendung von verfügbaren Rohstoffen, keine Lösemittel. |
| Effizienz | Energieeffiziente Prozesse mit 100% Atomökonomie; Domino-Prozesse und Multikomponentenreaktionen ( MCR´s) |
| Selektivität | Hochselektive (chemo-, regio-, stereoselektive) Prozesse (100% Ausbeute) |
| Ökonomie | Standard equipment; Minimierung von Katalysatorkosten ("reale katalytische Prozesse); hohe Raum/Zeit-Ausbeuten |
Schema 2: Anforderungen an eine "ideale" Reaktion. | |
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Zu den wesentlichen Zielen einer Nachhaltigen Chemie gehören neben der Verwendung nachwachsender Rohstoffe insbesondere die Entwicklung verbesserter katalytischer Verfahren und alternativer Lösemittel sowie die Bewertung chemischer Prozesse (Schema 3).
Um die Herausforderungen für die Zukunft zu verdeutlichen, soll hier ein Beispiel gegeben werden: Anfang 2000 haben jährlich 1.000 Menschen in Deutschland 158 Terajoule Energie verbraucht, wodurch u.a. 13.700 Tonnen Treibhausgase freigesetzt wurden, sie benötigten 655 Tonnen Stahl und fuhren 443 Automobile. Die Vergleichszahlen für ein weniger entwickeltes Land wie z.B. Ägypten lauten 22 Terrajoule, 1.300 Tonnen Treibhausgase, gerade 5 Tonnen Stahl und 6 Autos. Dies macht schlagartig klar, vor welchen zukünftigen Problemen wir stehen, wenn bevölkerungsreiche Länder wie China, Indien oder eben auch Ägypten den Lebensstandard anstreben, den wir schon genießen.
| Verbesserte Herstellprozesse für Groß- und Feinchemikalien | Entwicklung umweltfreundlicher Synthesemethoden |
| Wasserstofftechnologie, Wasserspaltung | Gewinnung erneuerbarer Energie |
| Verbesserte umweltfreundliche Produkte | Nutzung von Alkanen und nachwachsenden Rohstoffen |
Schema 3: Ausgewählte Ziele einer Nachhaltigen Chemie. | |
Da es kein Argument gibt, warum diese Staaten nicht einen ähnlichen Wohlstand erreichen sollten, müssen wir Mittel und Wege finden, diese Entwicklung umweltverträglich zu gestalten - eine Aufgabe, bei der die Nachhaltige Chemie und insbesondere auch Katalyse eine entscheidende Rolle übernehmen muss und wird.
Im Bereich der Energieerzeugung besteht die Herausforderung in der Bereitstellung von erneuerbaren Energieträgern, um fossile Ressourcen sowohl im Verkehrssektor als auch bei der Erzeugung von Strom und Wärme abzulösen. Eine Möglichkeit bietet hier in Zukunft die verstärkte Verwendung von biobasierten Kraftstoffen und besonders Wasserstoff, dessen chemische in elektrische Energie mit Hilfe von Brennstoffzellen umgewandelt werden kann. Gerade in diesem Bereich müssen aber noch entscheidende Probleme gelöst werden. So sind effizientere Katalysatoren für Brennstoffzellen notwendig. Schließlich müssen katalytische Prozesse Wasserstoff als Rohstoff - idealerweise durch Wasserspaltung - nachhaltig und kostengünstig verfügbar machen.
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Weltweit spielt die deutsche Chemieforschung eine wichtige Rolle im Bereich der Nachhaltigkeit, sie nimmt im weltweiten Vergleich immer noch eine Spitzenposition ein. Deutschland verfügt mit seinen Universitäten, den Forschungsinstituten der Max-Planck-Gesellschaft, der Leibniz-Gemeinschaft sowie der Helmholtz- und Fraunhofer-Gesellschaft über eine sehr gute Forschungsinfrastruktur auf diesem so bedeutenden Gebiet. Um die Zusammenarbeit der beteiligten deutschen Forscher weiter zu steigern, wurde im Frühjahr 2007 die Arbeitsgemeinschaft "Nachhaltige Chemie" der Gesellschaft deutscher Chemiker (GDCH) gegründet. Sie kam im März dieses Jahres zu einem ersten Workshop in Frankfurt zusammen. Die zentralen Themen der Arbeitsgemeinschaft, die in der Chemie zu den großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zählen, sind: Nachhaltige Energiewirtschaft, Nachhaltige Produkte, Bewertung von chemischen Prozessen und Produkten, Nachwachsende Rohstoffe, Alternative Reaktionsbedingungen, Katalyse sowie Nachhaltige Chemie in der Lehre. Die Arbeitsgemeinschaft soll zukünftig eine wichtige Rolle bei der Vernetzung von Einzelaktivitäten in all diesen Bereichen der Nachhaltigkeit einnehmen.
Die Chemie ist aufgrund ihrer Querschnittsfunktion für alle relevanten Wirtschafts-zweige dem Prinzip der Nachhaltigkeit besonders verpflichtet. Sie wird die Voraussetzungen schaffen müssen, eine immer noch wachsende Weltbevölkerung mit Nahrung, Kleidung und Energie zu versorgen. Nur wenn es gelingt, die zugrunde liegenden Herstellprozesse und Stoffumwandlungen noch nachhaltiger anzuwenden, gibt es eine Chance, diese Herausforderung zu bewältigen. Die deutsche Chemieforschung und damit auch die GDCH und ihre Arbeitsgemeinschaft "Nachhaltige Chemie" werden daran beteiligt sein. Im Jahr 2008 werden Mitglieder dieser Arbeitsgemeinschaft Woche für Woche über wichtige und aktuelle Beiträge der Chemie zu einer nachhaltigen Entwicklung berichten.
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