„Wie kommt es zum Metalleffekt?“

Robert Besold

Metalleffektlackierungen kennen wir aus allen Bereichen unseres täglichen Lebens:

In der Automobillackierung (sowohl Erst- als auch Reparatur- und auch Zubehörteilelackierung) haben sich in den letzten Jahren reine Silberfarbtöne eine Spitzenposition ergattert: Ca. 40 % der neu zugelassenen Autos in Europa waren/sind silberfarben. Aber auch "eingefärbte" Metalleffekte (Kombinationen von Metallicpigmenten mit transparenten Farbpigmenten) sind sehr beliebt, sodass nahezu 70 % der Farbtöne Metalleffekte aufweisen.

Auch in anderen Bereichen sind Metalleffekte nahezu allgegenwärtig. Gute Beispiele hierfür sind die "Consumer Electronics", also Mobiltelefone, Computer, Drucker, TV oder Kameras.
Im Architektursektor werden ganze Fassadenplatten im Coilcoating- Verfahren bandbeschichtet oder einzelne Bauelemente pulverlackiert.

Dies sind nur einige wenige Beispiele aus der Lackindustrie, wo Metallpigmente verarbeitet werden. Daneben kennen wir Metalleffekte natürlich aus der Druckfarbenindustrie, nämlich von Verpackungen (für z.B. Zigaretten, Kosmetika, Bierflaschen, Lebensmittel oder "non food"), Etiketten, Tapeten, Tissues oder Illustrationsdrucksachen, und aus der Kunststoffindustrie.

Metallpigmente kommen als Pulver, als lösemittelhaltige Paste, als harzgebundenes Granulat, als Konzentrat oder als fertige Druckfarbe auf den Markt. Aus Sicherheitsgründen (Vermeidung von Staubexplosionen!) werden hauptsächlich "angeteigte" Pasten eingesetzt.

Aber wie wird dieser Metalleffekt erzeugt?

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Effektmechanismen: die Lichtreflexion und die Interferenz.
Der klassische Metalleffekt beruht auf der Reflexion von Licht an den ebenen Flächen der blättchenförmigen Metallpigmente. Über Interferenzpigmente wird in einem anderen Beitrag dieser Reihe berichtet.

Die wichtigsten Metallpigmente bestehen aus Aluminium bzw. "Goldbronze", einer Legierung aus Kupfer und Zink, die je nach Legierungszusammensetzung unterschiedliche Farbtöne annehmen kann.

Abbildung 1: REM-aufnahme von Aluminiumgrieß

Die blättchenförmige ("zweidimensionale") Struktur der Pigmente erzeugt man während des Herstellprozesses aus dreidimensionalen "Metallgrießen" durch eine Verformung und Zerkleinerung in Kugelmühlen.

Abbildung 2: REM-Aufnahme "cornflake Typ"

Je nach Morphologie der Pigmentteilchen unterscheiden wir zwischen den klassischen "cornflake Pigmenten" mit unregelmäßiger Struktur und z.T. rauer Oberfläche und den "Silberdollars" mit runder Struktur und mehr oder weniger glatter Oberfläche.

Abbildung 3: REM-Aufnahme "Silberdollar" Typ

Eine wesentlich aufwändigere Variante stellen die sog. "VMP's" (= vacuum metallized pigments) dar, die durch Ablösen und Zerkleinern von im Hochvakuum metallisierten PET-Folien hergestellt werden.

Abbildung 4: REM-Aufnahme "VMP" Typ

Durch ihre extrem glatte Oberfläche sind sie hoch reflektierend und man kann mit dieser Pigmentklasse sowohl im Lackier- als auch im Druckprozess metallische, folienähnliche Effekte erzielen.

Was sind die Qualitätskriterien für einen guten Metalleffekt?

Dass der Metalleffekt auf der Reflexion von Licht an den ebenen Pigmentoberflächen beruht, wurde schon erwähnt. Diese Reflexion wird aber überlagert durch Lichtstreuung an den Kanten bzw. an (Mikro)rauigkeiten an den Pigmentoberflächen; der "Metalleffekt" ist also eine Summe aus Reflexion und Streuung und umso intensiver ausgeprägt, je höher der Anteil reflektierten Lichtes ist.

Abbildung 5: Reflexion und Streuung an Metallpigmenten

Hiermit ergeben sich folgende Qualitätskriterien, die man bei der Auswahl der Pigmente je nach Anwendungsgebiet beachten muss:

Metalleffekte in umweltfreundlichen Lack- und Druckfarbensystemen

Spezialanwendungen und hier vor allem die umweltfreundlichen wässerigen Lack- und Druckfarbensysteme, strahlenhärtende UV- bzw. EB-Systeme oder Pulverlacke. müssen auf hochwertige Metalleffekte nicht verzichten.
Durch Nachbehandlungs- und nanoskalige Beschichtungsverfahren lassen sich die Eigenschaften der Metallpigmente den chemischen und physikalischen Eigenschaften anpassen.
Aluminiumpigmente für wässerige Anwendungen müssen z.B. durch geeignete Inhibitoren vor der Reaktion mit Wasser geschützt werden, um die Bildung von Wasserstoff ("gassing") zu vermeiden.
Die Hydrophobierung der Aluminiumoberflächen durch Mahlhilfsmittel wie Ölsäure oder Stearinsäure ist nicht ausreichend, um die stark exotherm verlaufende Reaktion der Pigmente mit Wasser zu verhindern. Aluminiumpigmente reagieren mit Wasser unter Wasserstoffentwicklung nach folgender Bilanzgleichung:

Infolge der großen spezifischen Oberfläche von Aluminiumpigmenten (1 - 10 m2/g, BET-Verfahren [1],[2]) kann die Reaktion sehr heftig ablaufen. Selbst bei langsamer Reaktion sind der Verlust des metallischen Glanzes und eine Beeinträchtigung der Lagerstabilität (Agglomeration) die Folge. Marktüblich zur Stabilisierung sind hier z.B. phosphororganische Verbindungen aber auch Beschichtungen mit organischen (polymeren) bzw. anorganischen Materialien.

Bei Anwendungen in Pulverlacken sorgen SiO2-Beschichtungen nicht nur für die geforderte Chemikalienbeständigkeit, sondern auch für die elektrische Aufladbarkeit der Metallpigmente.


Dr. Robert Besold
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