„Naturfarben - Beschichtungsstoffe natürlich“

Beate Philipp und Thomas Brock

Wohnräume sind Lebensräume zum Wohlfühlen. Für viele gehören auch natürliche Holz- und Möbeleinrichtungen dazu, und ökologisch orientierte Einrichtungen und Baumaterialien prägen zunehmend die heimische Atmosphäre.
Auch das Renovieren beginnt immer mit der Auswahl der Farben. Nicht nur schön, sondern auch gesund sollen sie sein und am besten auch noch umweltfreundlich hergestellt. Die stark zunehmende Zahl der Allergiker hat gezeigt, dass auch im Wohnraum die falsche Farbe gesundheitlichen Schaden anrichten kann. Ist eine Farbe an der Wand getrocknet und hat der Raum den Geruch des frischen Anstrichs verloren, heißt das noch lange nicht, dass nicht weiter Stoffe aus dieser Farbe in die Wohnraumluft emittieren.

Seit März 2001 wird das Umweltzeichen "Blauer Engel" für Wandfarben verliehen. Darüber hinaus gehend haben sich die Naturfarben-Hersteller dazu verpflichtet, eine Volldeklaration ihrer Produkte zur Verfügung zu stellen. So sieht der Verbraucher, welche Stoffe bei der Herstellung zum Einsatz gekommen sind - eine sinnvolle Alternative, speziell für Allergiker. Naturfarbenhersteller bieten Allergikern individuell sogar an, Inhaltsstoffe, die bei der betroffenen Person allergische Reaktionen auslösen, auszutauschen oder ganz wegzulassen.

Doch auch bei Naturfarben gibt es große Unterschiede. "Wo Natur draufsteht, ist noch lange nicht nur Natur drin. Nicht alle Hersteller machen exakte Angaben über die Zusammensetzung ihrer Produkte.
Wir wollen hier beispielhaft für alle Farben die Volldeklaration einer Naturharzwandfarbe vorstellen:

Die folgenden Rohstoffbeschreibungen sollen diese und andere wichtige Inhaltstoffe näher erläutern:

Fette Öle

sind Bindemittel und unterteilen sich in drei Gruppen:

Die Trocknung der Naturfarben erfolgt entweder rein physikalisch durch Verdunstung des enthaltenen Gärungsalkohols bzw. Isoparaffins oder (chemisch) autoxidativ, durch die Sauerstoff-initiierte Oxidation der C=C-haltigen trocknenden Öle.

Abbildung 5: Oxidative Härtung eines C=C-haltigen trocknenden Öles (oder Alkydharzes) s. Woche 23
(Quelle: FH Merseburg)

Bei trocknenden Ölen ist immer wieder auf eine besondere Eigenart hinzuweisen: Die mit Öl oder den entsprechenden Produkten getränkten Baumwoll- oder Gazelappen sollten - nach Gebrauch, also Reinigung oder Applikation - einzeln an der Luft zum Trocknen aufgehängt werden, andernfalls kann es durch Wärmestau zur Selbstentzündung kommen.

Anwendung der Naturfarben:

Die ökologisch orientierte Naturfarben-Philosophie umfasst den gesamten Wirtschaftskreislauf und schließt somit die Verarbeitung und Entsorgung ein. D.h. unter anderem: Sie sind handwerklich und industriell zu verarbeiten und sind biologisch abbaubar.
Neben dem Pinseln und Wischen wird industriell auch durch Gießen, Spritzen und Walzen appliziert (Abb.6 a bis c).

Abbildung 6: Industrielle Holzlackierung in verschiedenen Verfahren - auch mit Naturfarben, links gießen, mitte spritzen, rechts walzen

Beschichtet werden auf diese Weise: Hochwertige Massivholzmöbel, Kindermöbel und -spielzeug, Wohn- und Schlafzimmermöbel, Küchen, Wand- und Deckenverkleidungen, Türen und Fußböden, Kleinmöbel und Musikinstrumente sowie Bilder und Bilderrahmen. Bei Bautenbeschichtungen sind Wände innen und außen, Fußböden und Decken zu nennen.

Fazit

Die behandelten Oberflächen zeichnen sich aus durch eine atmungsaktive Oberfläche, durch einen gleichmäßig wachsigen Griff und durch gesundheitliche Unbedenklichkeit, d.h. gesundes Wohnen.

Abbildung 7: Exponate mit Naturfarben

Beate Philipp
Hesse GmbH & Co.
Warendorfer Str. 21
59075 Hamm
Tel.: +49 (0)2381 963340
E-Mail: b.philipp@hesse-lignal.de
Prof. Dr. Thomas Brock
Hochschule Niederrhein - University of Applied Sciences
Fachbereich Chemie - Lacktechnologie
Adlerstrasse 32
47798 Krefeld
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