„Bleibatterien - eine Erfolgsstory“

Margret Wohlfahrt-Mehrens

Einleitung

Bei dem Begriff "Batterie" werden die meisten zuerst an den klassischen Bleiakkumulator denken. Dieser wird seit fast 100 Jahren als einziger elektrischer Energiespeicher für den Starter in Kraftfahrzeugen eingesetzt und ist mit verantwortlich für den Erfolg des Automobils. Trotz der relativ geringen gewichts- und volumenbezogenen Energie (Wh/kg bzw. Wh/l) und der begrenzten Lebensdauer im Zyklisierbetrieb ist der Bleiakkumulator der am häufigsten eingesetzte Batterietyp. Der Anteil der Starterbatterie am Gesamtumsatz wieder aufladbarer Batteriesysteme beträgt circa 48%. Weltweit wurden 2004 etwa 350 Millionen Stück hergestellt. In der Pannenstatistik für Kraftfahrzeuge lassen sich circa 22% aller Ausfälle auf die Batterie zurückführen.
Andere typische Anwendungen für Bleibatterien sind der Einsatz als Energiespeicher in unterbrechungsfreien Stromversorgungen (USV), wie z.B. in Telekommunikationseinrichtungen oder Rechenzentren und die Verwendung als Traktionsbatterien für reine Elektrofahrzeuge wie z.B. Gabelstapler.
Der Erfolg der Bleibatterie ist in erster Linie auf den im Vergleich zu anderen Batteriesystemen konkurrenzlos niedrigen Preis zurückzuführen, der durch niedrige Rohstoffkosten, eine einfache und weitgehend automatisierte Fertigungstechnik und einen etablierten effizienten Recyclingprozess erreicht wird.
Weitere Vorteile der Bleibatterie sind die relativ hohe Zellspannung von 2 V, die hohe Sicherheit, die relativ gute Kaltstartfähigkeit und die sehr gute Recyclingfähigkeit , da fast alle Komponenten aus Blei bestehen.

Funktionsweise und Bauformen:

Abbildung 1 und 2 zeigen schematisch den Aufbau und die Funktionsweise des Bleiakkumulators. Die Aktivmasse der negativen Elektrode besteht aus Blei, die der positiven Elektrode aus Bleidioxid. Als Elektrolyt dient verdünnte Schwefelsäure. Um Kurzschlüsse zu vermeiden, werden die beiden Elektroden durch einen porösen Separator voneinander getrennt.

Abbildung 1

Bei der Entladung wird an der negativen Elektrode Blei zu Bleisulfat oxidiert. An der positiven Elektrode entsteht durch Reduktion des Bleidioxids ebenfalls Bleisulfat. In Laderichtung kehren sich die Reaktionen um, was in Abbildung 2 durch die Richtung der inneren Pfeile wiedergegeben ist. Der Akkumulator wird geladen.
Die Entladereaktionen für die negative und positive Elektrode lassen sich stark vereinfacht wie folgt darstellen:

Mit einer Nennspannung von 2.0 V beträgt die theoretische spezifische Energie 167 Wh/kg. Wie die Gesamtreaktionsgleichung zeigt, nimmt die als Elektrolyt verwendete Schwefelsäure an der Entladereaktion teil. Sulfationen werden verbraucht und es entsteht Wasser; d.h. die Schwefelsäure wird während der Entladung verdünnt. Die Gleichgewichtsspannung ist somit abhängig vom Ladezustand der Batterie.
Die Elektrodenreaktionen laufen über lösliche Zwischenprodukte ab. Zunächst gehen Bleiionen in Lösung, die dann als Bleisulfat wieder auf der Elektrode ausgefällt werden. Bleisulfat ist ein schlechter elektrischer Leiter. Mit zunehmender Entladung steigt daher der ohmsche Widerstand stark an. Bleisulfat hat zudem ein erheblich größeres Volumen als Blei und Bleidioxid, was zu einer Reduzierung der Porosität der Elektroden mit zunehmender Entladung und damit zu einer Behinderung der Transportvorgänge in den Elektroden führt. In der Praxis sind daher nur etwa 30 bis 40% der vorhandenen Aktivmasse nutzbar. Der erforderliche Elektrolytüberschuss und die notwendigen passiven Komponenten (Bleigitter, Separatoren, Gehäuse) verringern die nutzbare Kapazität noch weiter. Typische Werte für die spezifische Energie kommerzieller Bleibatterien liegen zwischen 30 Wh/kg (für stationäre Anwendungen) und 45 Wh/kg (Starterbatterien).
Die hohe Zellspannung des Bleiakkumulators von 2.0 V liegt deutlich höher als die theoretische Zersetzungsspannung von 1.23 V des wässrigen Elektrolyten. Das Potential der positiven Elektrode liegt so hoch, dass als Stromableiter nur Blei in Frage kommt, das durch eine Deckschicht von PbO2 weitgehend vor Korrosion geschützt wird und eine hohe Überspannung für die Sauerstoffentwicklung aufweist. Auch das Potential der negativen Elektrode liegt unterhalb des Gleichgewichtspotentials der Wasserstoffelektrode. Nur aufgrund der hohen Überspannung von Blei für die Wasserstoffentwicklung wird diese weitgehend unterdrückt. Verunreinigungen, die die Wasserstoff- oder Sauerstoffüberspannung herabsetzen, müssen sehr sorgfältig vermieden werden.
Während der Ladung bzw. Entladung treten eine Reihe von unerwünschten Nebenreaktionen auf, die sich nicht vollständig unterdrücken lassen:

Die Wasserzersetzung kann nicht vollständig vermieden werden. Diese Reaktion führt zu einem Wasserverlust in der Zelle und zur Gasbildung. Durch Zugabe von destilliertem Wasser in regelmäßigen Wartungsintervallen lässt sich der Elektrolythaushalt ausgleichen, was die Lebensdauer der Batterie erheblich verlängert.
Durch den Einbau so genannter Rekombinationsstopfen kann der Wasserverlust deutlich reduziert werden. Der in der Zelle entstehende Wasserstoff und Sauerstoff reagieren katalytisch wieder zu Wasser, das in die Zelle zurückläuft.
Weitere wichtige Nebenreaktionen führen zur Korrosion des Bleigitters an der positiven Elektrode, die eine langsame Zerstörung des Gitters zur Folge hat. Diese Reaktion ist eine der wichtigsten Ursachen für die Alterung und den Ausfall von Bleibatterien.
Reaktionen die zu einer Gitterkorrosion an der positiven Elektrode führen:

Mögliche Folgen der Gitterkorrosion sind:

Die Gitterkorrosion hängt sehr stark von der verwendeten Gitterlegierung und den Betriebsparametern der Bleibatterie ab. Insbesondere höhere Temperaturen begünstigen die Gitterkorrosion. Eine weitere Hauptursache für den Leistungs- bzw. Kapazitätsverlust von Bleiakkumulatoren ist die Sulfatierung, d.h. die Kornvergröberung der Aktivmassen. Bei Bleibatterien unterscheidet man grundsätzlich zwischen zwei Typen:

Abbildung 2
 
Abbildung 3

Geschlossene Batterien verwenden flüssige Elektrolyte. Aufgrund der Wasserzersetzung sind diese Batterien nicht wartungsfrei. Von Zeit zu Zeit muss Wasser nachgefüllt werden. Wegen der Entstehung von Wasserstoff und Sauerstoff ist darüber hinaus auf eine gute Belüftung der Batterien zu achten.
Verschlossene Bleiakkumulatoren dagegen können nicht mit Wasser befüllt werden und sind wartungsfrei. An Stelle des frei beweglichen flüssigen Elektrolyten wird ein festgelegter Elektrolyt z.B. ein mit SiO2 gelierter Elektrolyt eingesetzt. Gaskanäle im Gelelektrolyten sorgen für eine schnelle Diffusion des an der positiven Elektrode bei Überladung gebildeten Sauerstoffs:

In einer Umkehrreaktion wird dieser Sauerstoff an der negativen Elektrode wieder reduziert und das verbrauchte Wasser rückgebildet. Diesen Prozess bezeichnet man als internen Sauerstoffkreislauf (Abbildung 3).
Die negative Elektrode wird so überdimensioniert, dass beim Laden zuerst die positive Elektrode den Volladezustand erreicht und Sauerstoff entwickelt. Die Reduktion des hierbei entstehenden Sauerstoffs verhindert die Wasserstoffentwicklung an der negativen Elektrode. Luftzutritt von außen stört das sensible Reaktionsgleichgewicht in der Zelle. Verschlossene Bleibatterien sollten daher nicht geöffnet werden.
Um vorzeitige Kapazitätsverluste zu vermeiden und eine möglichst lange Lebensdauer zu erzielen, sollten die folgenden Punkte beim Betrieb beachtet werden:
Die Zelloptimierung erfolgte in der Vergangenheit hauptsächlich empirisch. Inzwischen sind die komplexen Reaktionsmechanismen und Wechselwirkungen zwischen den Komponenten gut verstanden. Die Entwicklung des Bleiakkumulators ist weitgehend abgeschlossen. Eine weitere Steigerung der Energiedichte ist nicht zu erwarten. Mögliche Entwicklungspotenziale liegen in der weiteren Verbesserung der Lebensdauer. Die Entwicklung von Batterieüberwachungs- und -managementsystemen mit Spannungs- und Temperaturüberwachung könnte hierzu einen entscheidenden Beitrag liefern.

Recycling

Mehr als 95 % der ausgedienten Bleibatterien werden einem etablierten Recyclingprozess zugeführt. Wie bereits beschrieben, bestehen Aktivmassen, Ableiter und Pole aus Blei und Bleilegierungen. Das Gehäuse besteht in der Regel aus Kunststoff.
Vor der Wiederaufbereitung wird die verdünnte Schwefelsäure aus den Batterien abgelassen. Die restliche Batterie wird in Abhängigkeit vom Recyclingverfahren entweder komplett oder nach Abtrennung der Kunststoffbestandteile weiter verwertet, wobei das Blei zurück gewonnen wird. Das entstehende Reinblei (ca. 97%) wird sofort wieder legiert und der Batterieindustrie als Rohstoff zugeführt. Die geschlossenen Prozesskreisläufe sorgen für eine Minimierung der Schwermetallbelastung der Umwelt.


Dr. Margret Wohlfahrt-Mehrens
Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung, Baden-Württemberg
Helmholtzstr. 8
89081 Ulm
Tel.: +49 (0)731 9530-601
E-Mail: margret.wohlfahrt-mehrens@zsw-bw.de