Michael Grätzel
Während des Einstein-Jahres 2005 wurde oft vergessen, dass Einstein den Nobelpreis nicht für die
Relativitätstheorie erhielt, sondern für eher konventionelle Physik, genau genommen den fotoelektrischen
Effekt bei der Wechselwirkung von Licht und Materie. Die Grundlagen waren schon 60 Jahre zuvor bekannt,
und zu Einsteins Zeiten hatte ein fotoelektrochemischer Prozess, die Fotografie, geradezu revolutionäre Ausmaße
erreicht.
Seit den ersten Aufnahmen von Daguerre (1837) und der Normung des Silberhalogenid-Prozesses durch
Fox Talbot (1839) ist die Fotografie zu einem Standardaufzeichnungsmedium geworden, so dass wir noch heute
die Aufnahmen von Lincoln, Bismarck und der Königin Viktoria bewundern können.
In der Entwicklung der Photonentechnologie fällt die theoretische "Grundsteinlegung" Einsteins auf den,
geschichtlich gesehen, halben Weg, zwischen den ersten experimentellen Beobachtungen und dem Beginn
der industriellen Fertigung von Solarzellen im späten 20. Jahrhundert.
Betrachtet man den Ersatz der klassischen Fotografie durch die digitale auf Basis von Halbleitern
oder die marktbeherrschende Position der Flüssigkristall-Bildschirme in der Unterhaltungselektronik,
ist offensichtlich, dass sich diese Entwicklung gegenwärtig beschleunigt.
Die Geschichte der Photonik ist also gekennzeichnet vom Konkurrenzkampf der elektrochemischen
Systeme, wie der photogalavanischen Zelle von Becquerel oder der Halogenid-Emulsion von Fox Talbot,
mit der späteren Halbleitertechnologie. Dies ist ein Wettkampf, der noch andauert und jetzt in eine neue
Runde geht mit den farbstoffsensibilisierten, fotoelektrochemischen Solarzellen (DSC) und der bereits eingeführten
Festkörperfotovoltaik auf Siliziumbasis.
| Abbildung 1: Die Fotoanode einer DSC besteht aus halbleitenden Oxidpartikeln, die mit einer Monolage des Farbstoffs bedeckt sind. Die Nanoskaligkeit der Oxidpartikel erzeugt eine sehr große Phasengrenzfläche, die es dem adsorbierten Sensibilisator ermöglicht, das Licht effektiv zu nutzen. |
Licht wird von einem Farbstoffmolekül absorbiert, das auf nanokristallinem Titandioxid fixiert ist. Titandioxid ist stabil und ökologisch unbedenklich. Der Sensibilisator überträgt ein Elektron auf das Leitungsband des Halbleiters. Das nun positiv geladene Farbstoffmolekül wird durch den Elektrolyten regeneriert, der durch den äußeren Stromkreis ein Elektron zurückerhält. Der Umwandlungswirkungsgrad der Vorrichtung liegt bei über 11%, und die Verwendung von lösungsmittelfreien Elektrolyten hat es ermöglicht, eine sehr stabile Leistung zu erreichen. Insbesondere die langzeitstabile Versiegelung des Elektrolyten, ein kritischer Punkt der früheren Entwicklung, konnte damit erfolgreich gemeistert werden.
| Abbildung 2: Energieband-Diagramm der DSC skaliert für den Mediator jodid/trijodid und cis-Ru(2,2'-bipyridyl-4,4'-dicarboxylat)(SCN)2 als Sensibilisator. |
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Amerikanische und japanische Entwicklungsingenieure erforschen die spezielle Adaptierbarkeit des Sytems auf flexible, polymere Substrate, auf die der sensibilisierte Halbleiter als dünner Film aufgebracht wird. Außerdem ist man in Japan und in Australien dabei, großflächige Systeme zu erstellen und zu testen. Mit der fortschreitenden Expansion des Fotovoltaik-Marktes kann erwartet werden, daß die farbstoffsensibilisierte Solarzelle eine signifikante Rolle spielen wird. Im Wettbewerb mit konventionellen Systemen und anderen Innovationen, bei weiter steigenden Preisen für fossile Brennstoffe und auf Basis ökologischer Betrachtungen kann und wird die DSC zum wirtschaftlichen Erfolg und umfassenden Einsatz der Fotovoltaik beitragen.