„Kathodischer Korrosionsschutz von Stahl in Beton (KKSB)
Oder was hat Itzehoe und Nösslach gemeinsam? *“

Reinhard Bedel und Robert Scannell

Warum rostet Stahl normalerweise nicht, wenn er in Beton ist?

In Beton liegt der pH in der Regel um 12,5 bis 13,5. In diesem alkalischen Medium überzieht sich Eisen mit einer festhaftenden, dünnen Oxidschicht von anderer Zusammensetzung als der Rost, die es vor weiterem Angriff schützt. Das Eisen ist "passiviert". Diese Schicht wächst nach, wenn sie mechanisch zerstört wird.

Was bewirkt eindringendes Tausalz?

Salz kann mit Eisen lösliche Verbindungen bilden, die die oben erwähnte Oxidschicht zerstören, die Schicht wächst dann auch nicht nach und Rostbildung kann einsetzen ("Lochfraß").

Da das Salz in der Regel nicht ganz gleichmäßig verteilt ist, wird es - wie unten beschrieben - an einigen Stellen des Stahls zur Auflösung von Eisen kommen (Rostbildung), während an anderen Stellen die Sauerstoffreduktion abläuft. Beispielhaft ist das in Abb. 1 dargestellt.

Was bewirkt die Carbonatisierung?

Die Reaktion von Kohlendioxid (aus der Luft) mit dem Alkali des Betons führt zu Karbonaten, diese haben in wässriger Lösung einen pH-Wert, der typisch um 8,5 liegt. Bei diesem pH-Wert kann sich die o. g. dünne, passivierende Oxidschicht nicht mehr bilden und der Stahl kann rosten.

Was passiert wenn Stahl rostet?

Der Stahl wandelt sich vom Metall (Fe) in ein Oxid (Fe2O3 oder FeO) um, das meist noch Wasser (H2O) enthält und dessen Formel daher komplizierter ist, als oben angegeben.

Beim Rosten hat also das neutrale Eisen zwei oder drei Elektronen an den Sauerstoff abgegeben und ist zum Eisenion oxidiert worden.

Stets müssen aber die "anodischen" Reaktionen (Fe    Fe2+ + 2e-) und die "kathodischen" Reaktionen (O2 + 2H2O + 4e-    4OH-) gemeinsam ablaufen. Ist eine der beiden gehemmt, so kommt auch die andere zum Stillstand.

Das gebildete Fe (OH)2 ist unlöslich und reagiert danach mit weiterem Sauerstoff und Wasser zu den erwähnten wasserhaltigen Eisenoxiden (Rost) in einer rein chemischen Reaktion. Man sieht, dass zur Rostbildung sowohl Sauerstoff als auch Wasser nötig sind.

Abbildung 1: Montage der Titanstreckmetall-Anode

Was macht der kathodische Korrosionsschutz?

Der kathodische Korrosionsschutz wurde 1824 (!) zum ersten Mal zum Schutz von Kupferplatten, mittels derer ein Kriegsschiff verstärkt worden war, eingesetzt.

Für den kathodischen Korrosionsschutz wird eine zusätzliche Anode in den Beton eingebaut und mit dem Plus-Pol einer Gleichstromquelle verbunden. Der Bewehrungsstahl wird mit dem Minus-Pol verbunden.

Die Gleichstromquelle erzwingt einen Stromfluss durch den Stahl, der dem Stromfluss beim Rosten entgegengesetzt ist. Letztendlich verhindert dieser Stromfluss das weitere Rosten.

Der entstehende Sauerstoff diffundiert nach außen, die Menge ist aber viel zu gering, um dem Beton zu schaden.

Abbildung 2: Die Stelle an der später der Minuspol-Anschluß (grüner Draht) und der Pluspol-Anschluß (blanker Titan-Draht) an die Stromzuleitung angeschlossen werden
Typische Spannungen liegen um 1-5 V, typische Stromdichten um 1-10 mA/m² Betonoberfläche.

Arbeitsablauf bei dem kathodischen Korrosionschutz von Stahl in Beton (KKSB)

Detaillierte Auskunft über die zugelassenen Materialien, Geräte und Ausführungsrichtlinien findet man in der DIN EN 12696-1.

Lebensdauer der Schutzanlage, Dauer des Schutzes

Die Schutzanlage funktioniert, solange der Schutzstrom fließt. Der Schutzstrom fließt solange

  1. das elektrische Leitsystem in Ordnung ist
  2. und

  3. die Anoden aktiv sind
Zur Überprüfung der Schutzanlage sollten jährlich Inspektionen durchgeführt werden.

Vorteile des KKSB

Mittlerweile sind weltweit über 1.000.000 m² kathodisch geschützt. Eines der berühmtesten Gebäude ist das Sydney Opera House (siehe Bild 4)

Abbildung 3:* Kathodisch geschützte Nösslach-Brücke an der Brenner Autobahn. Ebenso wie die Nösslach-Brücke an der Brenner Autobahn ist die Stör-Brücke bei Itzehoe in Teilbereichen kathodisch geschützt.

Abbildung 4: Sydney Opera House

Reinhard Bedel
Dr. Robert Scannell
DE NORA DEUTSCHLAND GmbH
Industriestraße 17
63517 Rodenbach
E-Mail: info@denora.de