Margret Wohlfahrt-Mehrens
Lithium-Batterien sind, verglichen mit den konventionellen Systemen wie Alkali-Mangan, Blei-Säure oder Nickel/Cadmium, eine sehr junge Technologie. Trotz ihrer erst relativ kurz zurückliegenden Markteinführung zeigen sie im Bereich der Gerätebatterien bereits das größte Marktwachstum und beginnen die etablierten Systeme zu verdrängen. 2005 wurden ca. 1 Milliarde Zellen bei einem Umsatz von ca. 4,5 Milliarden US$ verkauft. Ihr Potential ist, insbesondere im Hinblick auf die Zellchemie, noch nicht ausgeschöpft.
Grundlagen und Funktionsprinzip Die kleinste eigenständige elektrochemische Speichereinheit ist die galvanische Zelle. Eine Kombination mehrerer
galvanischer Zellen bezeichnet man als Batterie. Durch die Art der Zellen, deren Anzahl und Verschaltung - in
Serie oder parallel - lassen sich Batterien gewünschter Gesamtspannung bzw. Gesamtkapazität anfertigen.
Die galvanische Zelle selbst enthält als eigentliche Speichereinheiten eine negative und eine positive Elektrode.
Die Elektroden sind in der Zelle elektronisch voneinander isoliert aber ionisch leitend über einen Elektrolyten
verbunden. In den Elektroden befindet sich das für die Speicherung notwendige Aktivmaterial. Werden die beiden
Elektroden einer geladenen Zelle extern miteinander verbunden, so tritt der Entladeprozess ein. Hierbei findet an
der negativen Elektrode eine Oxidation und an der positiven Elektrode eine Reduktion des Aktivmaterials statt.
Über den äußeren Stromkreis fließen Elektronen, der Ladungsausgleich im Zellinnern erfolgt ionisch über den
Elektrolyten.
Generell unterscheidet man Primärzellen, die nur einmalige Entladung erlauben, von den wiederaufladbaren
Sekundärzellen oder Akkumulatoren.
Wichtige Kenngrößen von Batteriesystemen sind:
Wie Abbildung 1 zeigt, zeichnen sich die Lithium-Systeme im Vergleich zu anderen bekannten Batteriesystemen durch weitaus höhere spezifische Energie und Energiedichte aus.
| Abbildung 1 |
Lithium-Batterie ist ein Sammelbegriff für die Vielzahl primärer und sekundärer Batteriesysteme, in denen
Lithium in reiner oder gebundener Form als Aktivmaterial der negativen Elektrode verwendet wird. Es gibt eine
Fülle möglicher Kombinationen von Anoden-, Elektrolyt- und Kathodenmaterialien.
Lithium ist das leichteste Metall im Periodensystem (Atommasse M = 6,941 g/mol; Dichte 0,53 g/cm³) und steht am
negativen Ende der elektrochemischen Spannungsreihe ( 3,04 V vs. Standardwasserstoffelektrode). Die daraus
resultierende hohe theoretische Kapazität von 3860 Ah/kg und die in Kombination mit verschiedenen
Kathodenmaterialien realisierbaren hohen Zellspannungen machen es zum idealen Anodenmaterial.
Allerdings muss die hohe Reaktivität metallischen Lithiums gegenüber Wasser oder feuchter Luft berücksichtigt
werden. Als Elektrolyte können daher nur Lösungen wasserfreier Lithiumsalze in organischen Lösemitteln oder
Festkörperelektrolyte verwendet werden. Zudem muss der Zusammenbau der Lithium-Batterien unter Schutzgas oder
zumindest in Trockenräumen erfolgen.
Bereits in den siebziger Jahren kamen die ersten primären Lithiumzellen auf den Markt. Vorteile gegenüber
herkömmlichen Systemen, wie z.B. den Alkali-Mangan-Batterien, sind höhere Zellspannung, höhere spezifische
Energie bzw. Energiedichte, geringere Selbstentladung und lange Lagerfähigkeit. Selbst nach 10 Jahren Lagerung
können noch mehr als 80% der Nennkapazität entnommen werden. Die primären Systeme finden ihre Einsatzgebiete in
Uhren, Kameras, Taschenrechnern, Back-up-Systemen für Speicherchips, medizinischen Geräten und Anwendungen im
militärischen Bereich.
Primäre Lithium-Systeme verwenden metallisches Lithium als Anode. Die gängigen kommerziellen Typen unterscheiden
sich im Kathodenmaterial und dem verwendeten Elektrolyten:
Portable elektronische Geräte wie Handys, Notebooks, Digitalkameras, Camcorder, portable CD-Player, MP3-Player
und elektronische Spielzeuge haben unser Leben in den letzten Jahren stark verändert. Diese Entwicklung wäre
undenkbar gewesen ohne wiederaufladbare Gerätebatterien.
Im Bereich portabler Systeme sind Neuentwicklungen oft an die Verfügbarkeit leistungsfähigerer Akkumulatoren
gebunden. Diesen Markt dominieren die Lithium-Batterien mit höherer Energiedichte, flexibleren Designs und
höherer Lebensdauer verglichen mit anderen Batteriesystemen.
Seit den frühen sechziger Jahren wurde eine Reihe von wieder aufladbaren Zelltypen mit Lithiummetall als Anode
entwickelt. Ein großer Nachteil dieser Batterien war das inhärente Sicherheitsrisiko. Das Sicherheitsproblem
liegt hier bei der negativen Elektrode. Beim Ladevorgang wird metallisches Lithium auf der negativen Elektrode
abgeschieden. Diese Abscheidung erfolgt nicht als kompaktes Metall, sondern in Form poröser und nadelförmiger
Metallabscheidungen, so genannter Dendriten. Diese können lokale Kurzschlüsse in der Batterie verursachen, die
mit starker Wärmeentwicklung einhergehen. Übersteigt die lokale Temperatur den Schmelzpunkt des Lithiums, kommt
es zu explosionsartigen Reaktionen mit dem Elektrolyten.
Der Durchbruch gelang 1991 der Firma Sony mit der Markteinführung einer wieder aufladbaren
Lithium-Ionen-Batterie.
Das Funktionsprinzip dieser Zelle ist in Abbildung 2 gezeigt. In diesem System können sowohl Kathoden- als auch
Anodenaktivmaterial Lithium reversibel einlagern. Die negative Elektrode enthält an Stelle metallischen Lithiums
nun Kohlenstoff als Speichermedium, die positive ein Lithium-Übergangsmetalloxid, in kommerziellen Zellen
vorwiegend LiCoO2. Vorteilhaft ist, dass die Zelle im entladenen Zustand zusammengebaut wird; so dass beide
Elektroden an trockener Luft verarbeitet werden können.
Beim Ladeprozess werden Lithium-Ionen aus dem Lithium-Übergangsmetalloxid ausgelagert, zur negativen Elektrode
transportiert und dort in das Wirtsgitter des Kohlenstoffs eingelagert, beim Entladeprozess verläuft der Prozess
umgekehrt. Der Elektrolyt dient nur als Transportmedium für die Lithium-Ionen und nimmt selbst nicht an der
Reaktion teil. Der Elektrolytfilm kann also sehr dünn ausgelegt werden.
Beim Laden findet folgende vereinfachte Zellreaktion statt:
| Abbildung 2 |
Eine Variante der Lithium-Ionen-Zelle ist die Lithium-Polymer-Zelle. Elektrodenmaterialien und Zellchemie sind
identisch, es wird aber an Stelle des flüssigen Elektrolyten eine Polymermatrix verwendet, die den
Flüssigelektrolyten vollständig aufsaugt und auslaufsicher fixiert.
Bei der Lithium-Polymer-Zelle wird kein festes Gehäuse mehr benötigt. Eine durch Aluminiumfolie verstärkte
Plastikfolie genügt als Verpackung. In diese können die Zellen einfach unter Vakuum eingeschweißt werden. In
Anlehnung an die Vakuumverpackung von Kaffee werden diese Polymerzellen auch häufig "coffee bag"-Zellen genannt.
Diese Technik ermöglicht die Herstellung dünnerer Zellen und größere Designflexibilität. Weitere Vorteile sind
höhere Energiedichte durch den kompakten Aufbau und niedrigere Herstellungskosten. Die Flexibilität des Designs
macht Lithium-Polymerzellen besonders attraktiv für den Mobiltelefon- und Computermarkt.
Neben den oben beschriebenen Zellen gibt es Entwicklungen von Lithium-Polymerzellen mit (Fest-)Polymerelektrolyt.
Als Elektrolyt wird ein Polymer mit einem darin gelösten Lithiumsalz eingesetzt, das keine flüssigen Lösungsmittel
mehr enthält. Der Ionentransport erfolgt ausschließlich über die Polymermatrix. Die Leitfähigkeit dieser reinen
Polymerelektrolyte ist deutlich geringer als die der Flüssigelektrolyte. Da diese Art von Polymerelektrolyt sehr
reduktionsstabil ist, kann hier wieder metallisches Lithium in Form einer Folie als negative Elektrode eingesetzt
werden. Die Bildung von Lithiumdendriten und die damit verbundenen Sicherheitsrisiken treten nicht auf. Wegen der
deutlich geringeren Leitfähigkeit des Polymerelektrolyten liegt die Betriebstemperatur dieses Systems bei 60-80°C.
Damit eignet es sich nicht für portable Anwendungen.
Die Anforderungen an Energie- und Leistungsdichte von Batteriesystemen steigen immer weiter. Eine Reihe von
überwiegend asiatischen Firmen produziert Rund- und prismatische Zellen verschiedener Größe und Kapazität für
den Einsatz in Camcordern, Mobiltelefonen und tragbaren Computern. 2005 wurden die ersten Lithium-Ionenzellen
in schnurlosen Werkzeugen, so genannten Power Tools, eingesetzt.
Neue Fahrzeugkonzepte, wie z.B. das Hybridauto, benötigen leistungsfähigere Batterien. Der Hybridantrieb
erfordert eine Energie von 1-2 kWh bei kurzzeitigen Spitzenleistungen von über 20 kW, sowohl im Lade- als auch
Entladevorgang.
Das Lithium-Batteriesystem besticht bereits heute durch seine hohe Energiedichte. Diese kann durch die Vielfalt
der möglichen Aktivmaterialien noch weiter gesteigert werden. Gleichzeitig zielen die Entwicklungen auf die
Verbesserung der Sicherheit, der Lebensdauer und des Hochstromverhaltens.
Die Kombinationsbreite verschiedener geeigneter Materialien ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Neue
Materialien, Nanokomposite und neue Zellkonzepte bieten Entwicklungspotential für weitere Verbesserungen und
neue Anwendungen.