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| „Bioanalytik vor Ort mit elektrischen Biochips“ | ![]() | |||||
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Rainer Hintsche HintergrundDie Analytik biologischer Moleküle basiert oft auf dem von der Natur übernommenen hochselektiven "Schloß-Schlüssel-Prinzip" der Bindung strukturell komplementärer Moleküle. Man nennt dieses Affinitätsbindung und findet sehr viele Beispiele. Bestens bekannt sind die Paarungen in der Doppelhelix der Nukleinsäuren, oder die von lebenden Organismen erzeugten Antikörper zur Immunabwehr oder bei der Auslösung von Allergien. Auch der spezifische Angriff infektiöser Erreger oder die Wirkung biologischer Gifte beruhen auf diesem Prinzip. BiosensorikIn den vergangenen Jahren sind zahlreiche mit Biosensoren arbeitende Messverfahren für die Analytik von biologischen Molekülen entwickelt worden. Biosensoren sind Messfühler bestehend aus affinitätsbindenden Biomolekülen, den sogenannten Fängern, und einem Signalwandler. Sie haben eine weite Verbreitung gefunden. Die verwendeten Fängermoleküle sind in der Lage, Analyte aus komplexen Stoffgemischen selektiv zu binden und aufgrund der biochemischen Komplexbindung ein Signal in Abhängigkeit von der Konzentration des Stoffes auszugeben. Die Detektion kann optisch oder elektrisch erfolgen. Am Fraunhofer Institut für Siliziumtechnologie in Itzehoe (ISiT) wurden in den letzten 15 Jahren elektrische Biosensoren entwickelt, die elektrochemisch nach dem Prinzip der Multikanal-Amperometrie arbeiten. Hauptbestandteil der mittels modernster und industrieller Halbleitertechnologie hergestellten Sensoren bzw. Silizium-Chips sind Gold-Elektroden mit interdigitalem Aufbau und Abmessungen um 500 Nanometer. Basierend auf dieser Biochiptechnologie wurde von der Firma eBiochip Systems GmbH, Itzehoe einer Ausgründung aus dem Fraunhoferinstitut, ein universelles Gerätesystem zur Vor-Ort Analytik von Nukleinsäuren, Proteinen und kleinen biologisch aktiven Molekülen entwickelt. Das robuste und platzsparende Messverfahren, das hier für niedrigdichte preiswerte Arrays mit 16-Meßpositionen ausgelegt wurde hat den Einsatz in portablen Nachweissystemen ermöglicht. Es wird z.Z. in ca. 20 Orten in Europa von F&E-Laboren und Biotechnologen zur Entwicklung eigener spezieller Anwendungen und auch in Forschungsprojekten, die von der EU und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden, eingesetzt. Die Anwendungen reichen von der Identifizierung und Kontrolle von Schlüsselgenen von Mikroorganismen in der Biotechnologie bis zur Prozesskontrolle bei der Protein- und Enzymproduktion. Auch infektiöse Erreger oder Schadstoffe in Nahrungsmitteln werden auf diese Weise gemessen. Besondere Leistungsfähigkeit hat eine spezielle Variante des Systems, der Detektor "ePaTOX", beim Nachweis und der Quantifizierung biologischer Gefahrenstoffe, die man besonders als Terrorinstrumente und heimtückische Waffen fürchtet, unter Beweis gestellt. Das universelle Instrument kann vor Ort sowohl biologische giftige Proteine, wie z.B. Botox, als auch die Erbsubstanz von tödlichen Erregern, wie z.B. Anthrax identifizieren. Dabei werden nur die Chipbeladung und der Analysegang variiert. Das Gerät ist am Markt angetreten, eine weltweite Spitzenstellung zu erobern.
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