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| „Ungetrübte Badefreuden? - die Anwendung von Summenparametern und spezifischer Einzelstoffanalytik zur Untersuchung von Schwimmbeckenwasser“ | ![]() | |||||||
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Christian Zwiener, Thomas Glauner und Fritz H. Frimmel EinleitungDie öffentlichen Bäder zählen mit mehr als 250 Mio. Besuchern im Jahr zu den beliebtesten kulturellen Einrichtungen in Deutschland. Aus diesen hohen Besucherzahlen ergeben sich besondere Anforderungen an die Wasserqualität in den Schwimm- und Badebecken. Für die hygienische Sicherheit ist im Beckenwasser eine Mindestkonzentration an freiem Chlor (0,3 bis 0,6 mg/L) vorzuhalten, da jeder Badegast eine Vielzahl von z.T. pathogenen Mikroorganismen in das Beckenwasser einträgt.
Das Schwimmbeckenwasser ist ein gutes Beispiel für die Verwendung von Wasser in einem fast geschlossenen Kreislauf. Die Schwimmbeckenwasseraufbereitung hat demnach die Aufgabe möglichst alle Stoffe die der Badegast ins Wasser einträgt zu entfernen, um eine stetige Anreicherung dieser Stoffe im Wasserkreislauf zu verhindern. Die Aufbereitung erfolgt durch Oxidation mit Ozon, Flockungsmittelzugabe, Sandfiltration, Chlorung und pH-Wert-Einstellung. In der DIN 19643 sind derzeit 5 verschiedene Verfahrenskombinationen genormt, von denen die Aufbereitung mit der Kombination Pulveraktivkohledosierung (optional) - Flockungsfiltration - Chlorung (Abbildung) in etwa 70% der öffentlichen Bäder Anwendung findet (Abb. 2). Die Untersuchung und Beurteilung dieser technischen Prozesse und des Schwimmbeckenwassers stellt eine der interessantesten und für die Gesundheit der Badenden wichtigsten Anwendungen moderner Analytik dar.
Summenparameter (TOC, DOC, AOX) Summenparameter werden auch als summarische Wirkungs- und Stoffkenngrößen bezeichnet und in der Wasseranalytik vor allem zur Beurteilung von Proben komplexer Zusammensetzung über die Erfassung einer gemeinsamen Stoffeigenschaft oder Wirkung verwendet. Zur sensitiven und gezielten Bestimmung von Einzelstoffen (Target-Analytik) werden meist Kopplungen von chromatographischen Trenntechniken (Gas- bzw. Flüssigkeitschromatgraphie, GC bzw. LC) mit der Massenspektrometrie (MS) verwendet. Damit kann nach der Auftrennung komplexer Stoffgemische zusätzlich massenselektiv detektiert werden. Durch den Einsatz der Tandemmassenspektrometrie wird eine weitere Dimension der Selektivität erreicht, in dem nach der Selektion der Masse des Targetanalyten im ersten Massenfilter, das Auftreten der Masse eines typischen Fragments des Analyten im zweiten Massenfilter zur Detektion verwendet wird. Ergebnisse:TOC, AOX und THM Betrachtet man die Wirkung der einzelnen Aufbereitungsstufen bezüglich der Summenparameter TOC und AOX, so zeigt sich, dass sich Belastungsstoffe im Verlauf mehrerer Tage mit hohen Besucherzahlen im Beckenwasser anreichern können (Abb. 3). Die Aufbereitungsleistung der Flockungsfiltration ist nicht ausreichend für die Wahrung einer anhaltend guten Wasserqualität. Die Konzentration halogenorganischer Stoffe (AOX) nimmt im Verlauf mehrerer Tage zu. Organische Stoffe können demnach durch Einwirkung von Chlor sukzessive oxidiert und chloriert werden. Dies lässt sich sehr schön anhand eines Wochenprofils dieser Parameter für ein Freibad zeigen. Neben dem Summenparameter AOX können auch die THM als Indikator für gebildete DNP dienen.
MX MX stellt ein DNP nach Chlorung mit der stärksten bekannten mutagenen Wirkung im Ames-Test dar (Abb. 4). MX und seine Analoga wurden nach Chlorung von Huminstoffisolaten und in Proben der Wasseraufbereitung nachgewiesen. Bisher sind keine systematischen Untersuchungen im Schwimmbeckenwasser bekannt. Das Auftreten von MX in ng/L-Konzentrationen erfordert hohe Anreicherungsfaktoren bei der Probenaufarbeitung und eine sehr selektive Analytik, die mit der GC-Tandemmassenspektrometrie in einem Massenspektrometer mit einer Ionenfalle (iontrap MS) verwirklicht werden konnte (Abb. 5).
UV-Filter Der Schutz der Haut vor UV-A- und UV-B-Strahlung erfordert Kosmetika mit Kombinationen verschiedener Lichtschutzstoffe die das UV-Licht absorbieren, streuen oder reflektieren. Neben anorganischen Mikropigmenten werden vor allem organische Substanzen mit hohen UV-Absorptionskoeffizienten eingesetzt. Formulierungen von Sonnenschutzprodukten können dabei über 10% organische UV-Filtersubstanzen (UFiS) enthalten. Als zulassungspflichtige Inhaltsstoffe von Kosmetika unterliegen diese einer toxikologischen und dermatologischen Prüfung.
Fazit Die Schwimmbeckenwasseraufbereitung ist ein Beispiel für eine fast geschlossene Kreislaufführung von Wasser. Am Beispiel eines Freibads kann die Anreicherung und Reaktion von Stoffen anhand der Parameter DOC, AOX und THM gezeigt werden. BMBF-Forschungsvorhaben Die dargestellten Ergebnisse wurden im Rahmen eines transdisziplinären BMBF-Verbundvorhabens erarbeitet. Die Zielsetzung des Forschungsverbundes war, die Bildung von Desinfektionsnebenprodukten im Schwimm- und Badebeckenwasser zu untersuchen, sie epidemiologisch und toxikologisch zu bewerten und ihre Minimierung durch technische Maßnahmen, bei gleichbleibend hohem hygienischen Standard, zu prüfen (siehe Webseite). | ||||||||
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