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| „Der Traum vom Westentaschen-Labor“ | ![]() | |||||
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Detlev Belder In der Mitte des letzten Jahrhunderts haben umwälzende technische Entwicklungen stattgefunden, die das tägliche Leben vieler Menschen nachhaltig verändert haben. Durch die Miniaturisierung elektronischer Bauteile konnten ganze Rechenzentren zu kleinen Computern schrumpfen und heutzutage kann sich kaum noch jemand vorstellen, wie das Leben ohne die vielen elektronischen Helfer aussehen würde.
Die Verheißungen solcher Westentaschenlabore sind groß. Es werden nur noch winzige Mengen chemischer Substanzen benötigt, was viel umweltfreundlicher ist und teure Chemikalien spart. Auf dem Gebiet der analytischen Chemie verspricht man sich besonders viel von solchen geschrumpften Analysenlaboren, weil damit zum Beispiel in der Diagnostik selbst komplexe Analysen direkt vor Ort gemacht werden könnten. So muß man vielleicht in einigen Jahren nicht mehr lange bangend auf die Laborwerte warten, sondern erhält das Ergebnis sofort von einem scheckkartengroßen Gerät beim Arzt. Bis dieser Traum Wirklichkeit werden kann, steht jedoch noch viel an Entwicklungsarbeit aus. Dies macht die lab-on-a-chip Technologie zu einem faszinierenden interdisziplinären Forschungsthema. Zur Miniaturisierung der Elektrophorese werden Mikrofluidik-Chips eingesetzt. Das sind Bauteile mit Mikrokanälen die an Objektträger aus der Mikroskopie erinnern. Die sogenannte Mikrochip-Elektrophorese ist das derzeit erfolgreichste analytische Verfahren in der noch jungen Mikrofluidik, es sind sogar bereits die ersten kommerziellen Geräte verfügbar. Eine schematische Darstellung mit Dimensionen eines typischen Elektrophorese-Chips ist in Abb. 2 gezeigt.
Die Funktion eines solchen einfachen Elektrophorese-Chips mit 2 gekreuzten haarfeinen Kanälen wird aus Abbildung 3 deutlich. Das Analysenprinzip ist in der Mikrochip-Elektrophorese das gleiche wie in der klassischen Elektrophorese, dessen Ergebnis jeder Tatort- oder Quincy-Fan schon mal bei Erstellung des genetischen Fingerabdrucks gesehen hat. Verbindungen werden aufgrund ihrer unterschiedlichen Wanderungsgeschwindigkeit im elektrischen Feld aufgetrennt, so wie Läufer auf einem Hindernisparcours, wo die schlanken und starken Athleten das Ziel vor den Dicken erreichen. Neben der Miniaturisierung ist der Hauptunterschied zur klassischen Elektrophorese der Injektionsprozess, bei dem das Kunststück gelingen muß, nur wenige Nanoliter einer Probe zu dosieren um nicht das ganze System zu Fluten. Hierfür wird zunächst durch Anlegen einer Spannung der Trennkanal mit der Probe gefüllt und dort mit Gegenspannungen fokussiert. Ein winziger Teil der Probe, der sich im Kreuzungsbereich der Kanäle befindet, wird dann durch Umschalten der Spannungen gleichsam ausgestanzt und auf den Hindernisparcours zur Auftrennung geschickt, siehe Abb. 3.
Dieser Prozeß kann mit Hilfe der Videomikroskopie sehr schön visualisiert werden. In dem gezeigten Video wird die Auftrennung fluoreszierender Verbindungen nach einer sogenannten Pinzetteninjektion in Echtzeit dargestellt.
In dem gezeigten Video wird eine Probe in nur 760 ms getrennt, wofür eine Strecke von weniger als einem Millimeter Länge ausreicht. Hieraus wird deutlich, daß die Chip-Elektrophorese eine außerordentlich schnelle Analysenmethode darstellt, so halten wir derzeit den Weltrekord für die schnellste chirale Trennung in nur 720 ms.
Ein wichtiger Aspekt bei mikrofluidischen Systemen ist die Beschaffenheit der Kanal-Oberflächen. So ist es ganz entscheidend ob die Oberflächen hydrophil oder hydrophob sind. Hydrophile, also wasserliebende Kanäle, füllen sich sogar ganz von selbst mit wässrigen Lösungen. Stark hydrophile Kanäle sind insbesondere zur Auftrennung von Proteinen notwendig, damit diese nicht an der Kanalwand kleben bleiben wie ein verkohltes Steak in der Pfanne. Ähnlich wie bei der Bratpfanne kann dieses Problem mit einer Beschichtung gelöst werden, statt des Teflons wie bei der Bratpfanne sind hier jedoch hydrophile Polymere besonders geeignet. Hierfür konnte in unserer Arbeitsgruppe ein Verfahren zur inneren Beschichtung von Kanälen in Glaschips entwickelt werden, mit dem auch komplexe Proteinmischungen aufgetrennt werden können. Damit könnte die Mikrochip-Elektrophorese auch einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des gegenwärtig ehrgeizigsten Projekts der Lebenswissenschaft leisten, welches mit dem Schlagwort Proteomics bezeichnet wird. Hier versuchen Wissenschaftler in aller Welt das Zusammenspiel der Proteine im Körper zu verstehen um effizientere Waffen im Kampf gegen Krankheiten zu entwickeln. | ||||||
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