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| „Vergleichende Genexpressionsanalyse mit Microarrays und ihre Anwendung in der Tumordiagnostik“ | ![]() | |||||||||||||||||||||
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Simone Günther, Alexander Jung, Ulf Vogt und Michael Steinwand Einleitung: Nach der Entschlüsselung des menschlichen Genoms ist in den letzten Jahren die Erforschung von sogenannten Volkskrankheiten wie Diabetes, Krebs oder Herz-Kreislauferkrankungen in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Bei vielen dieser Erkrankungen geht man davon aus, dass mehrere Gene sowie Umwelteinflüsse und individuelle Lebensgewohnheiten ursächlich für die Pathogenese und das Krankheitsbild verantwortlich sind. Aus diesem Grund werden sie als polygene, multifaktorielle oder komplexe Krankheiten bezeichnet. Bei der Erforschung der beteiligten Gene steht man gegenwärtig noch ziemlich am Anfang. Dies hängt damit zusammen, dass die am Krankheitsbild beteiligten Gene einzeln betrachtet häufig das Krankheitsrisiko nur geringfügig beeinflussen, was ihre Identifizierung erschwert. Ein Ansatz zur Identifizierung dieser Gene ist der Vergleich der Genaktivität in den Geweben gesunder und kranker Menschen. Entscheidend hierbei ist, dass mit diesem Ansatz die Gesamtheit aller Gene erfasst werden kann. Diese vergleichende "Genexpressionanalyse" ermöglicht es dann, Gruppen von Genen zu beschreiben, die signifikant für das entsprechende Krankheitsbild stehen. Diese Gruppen werden im allgemeinen als Gensignaturen bezeichnet. Gensignaturen bzw. die entsprechenden Genexpressions-analysen finden nicht nur bei der Erfassung bzw Charakterisierung eines Krankheitsbildes ihre Anwendung, sondern sollen auch Aussagen zum Beispiel über den Krankheitsverlauf ermöglichen. Auch ist es in der Krebsdiagnostik heute zum Teil schon möglich Tumoren zu klassifizieren und die Erfolgsaussichten verschiedener Therapieformen zu beurteilen. Allgemein wird diesem Zweig der sogenannten präventiven Medizin für die Zukunft eine bedeutende Rolle zugewiesen. Ein Beispiel einer solchen Awendung sowie die technischen Grundlagen der analytischen Methode sollen hier näher besprochen werden. Technische Grundlagen und Analytische Methode Um den unterschiedlichen Genexpressionsstatus im erkrankten gegenüber dem gesunden Organismus festzustellen, wird von einem bestimmten Gewebe, einer Biopsie oder Blut von kranken und gesunden Individuen die sogenannte vergleichende Genexpressionsanalyse durchgeführt. Der Begriff an sich ist möglicherweise etwas irreführend, da nicht die Gene direkt, sondern die Konzentration ihrer Transkriptionsprodukte in den Zellen, die sog. messenger RNA oder mRNA bestimmt wird. Die Methode, welche hierzu etabliert ist beruht auf der Hybridisierung einzelner dieser Transkriptionsprodukten an genspezifische Sonden. Diese sind im Falle eines Mikroarray Experiments auf der Oberfläche desselben in Form von Spots chemisch aufgebracht worden. Insgesamt besteht das Mikroarray dieser Studie aus etwa 31.000 Sonden, welche ca. 29.000 menschliche Gene repräsentieren. Die übrigen Sonden werden für die Referenzierung der Analyse benötigt. Die folgende Abbildung zeigt einen Ausschnitt eines solchen Mikroarrays.
Das analytische Grundprinzip lässt sich bereits an diesem Bild erkennen. Die regelmäßig aufgebrachten einzelnen Sonden leuchten unterschiedlich stark (oder überhaupt nicht). Leuchtende Spots bedeuten, dass das betreffende Gen in der Probe "aktiv" war, das es also in mRNA übersetzt in der Zelle vorlag. Die Leuchtstärke der Spots ist dabei ein Maß für die "Expression" jedes Gens in mRNA. Probennahme und Probenvorbereitung Mit den Reagenzien des 1700 Expression Array Systems können Patientenproben in eine Form überführt werden, in der sie mit der Chemolumineszenztechnik detektiert werden können. Der wichtigste Schritt nach der Extraktion der mRNA aus den Gewebezellen der Patientenprobe ist das enzymatische Umschreiben der mRNA in cDNA (Reverse Transkription). Dabei wird gleichzeitig ein Digoxigenin Marker (DIG) in das jeweilige cDNA Molekül eingeführt, welcher zur späteren Detektion benötigt wird. Die folgende Abbildung veranschaulicht den beschriebenen Prozess. Die so hergestellte cDNA kann wenn nötig durch lineare Amplifikation noch weiter vervielfältigt werden.
Hybridisierung und Detektion Die so umgeschriebenen cDNA Moleküle werden daraufhin auf dem Microarray hybridisiert. Das bedeutet, dass jede Sonde (Bei den Sonden handelt
es sich um Oligomere aus 60 DNA Basen, sog. 60-mere), welche auf dem Array immobilisiert vorliegt, potentiell komplementär zu einer DNA der Probe
sein kann. Falls der entsprechende Strang in der Probenlösung vorhanden ist, wird er an dieser Stelle an die Sonden-DNA binden
("hybridisieren"). In einem weiteren Schritt bindet ein Konjugat bestehend aus einem anti-Digoxigenin Antikörper und alkalischer
Phosphatase an das Digoxigenin der hybridisierten cDNA.
Zum Auslesen der hybridisierten Mikroarrays wird beispielsweise das Applied Biosystems 1700 System verwendet, welches in folgender Abbildung dargestellt ist. Es enthält ein optisches System mit Kamera und Filtern zur Detektion der Chemolumineszenz sowie Software zur Bilderfassung und Auswertung.
Datenauswertung und Ergebnis War ein Gen in der ursprünglichen Probenlösung vorhanden ("exprimiert"), dann wird der entsprechende Spot auf dem Microarray
aufleuchten. Die Leuchtstärke (Intensität) ist ein Maß für die Konzentration des Genprodukts im untersuchten Gewebe.
Durch diesen Vergleich lassen sich Gene bestimmen, welche sich im kranken Gewebe anders verhalten, als im gesunden, also beispielsweise viel
stärker oder schwächer "exprimiert", oder eventuell gar nicht mehr aktiv ("ausgeschaltet") sind. Andere Gene könnten auch nur
im kranken Gewebe aktiv sein und im gesunden überhaupt nicht. Voroperative Chemotherapie bei Brustkrebs und der Einsatz der
Genexpressionsanalyse Häufig wird eine Chemotherapie erst nach
Entfernung eines bösartigen Brusttumors mit der Patientin besprochen und durchgeführt. Nachdem in mehreren großen Untersuchungen nachgewiesen
worden ist, dass eine voroperative Chemotherapie im Vergleich mit der Chemotherapie nach Operation keine Nachteile zeigt, werden vor allem bei
großen Tumoren den betroffenen Patientinnen jetzt vermehrt voroperative Chemotherapien angeboten. Genexpressionanalyse in Verbindung mit neoadjuvanter Chemotherapie An der Frauenklinik des Klinikums
Ibbenbüren (Leiter PD. Dr. med. C.M. Schlotter) wird die neoadjuvante Chemotherapie zusammen mit der "Mikroarray-Technologie"
(Genexpressionsprofil) den Patientinnen im Rahmen einer kontrollierten Untersuchung angeboten.
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